Wenig Alternativen für PropTechs

Veröffentlicht von proptechnews am

Digitales Ökosystem

Wenig Alternativen für PropTechs. Vor einer Woche habe ich versucht, den geplanten Zusammenschluss der Marktplätze von TX Markets und Ringier aus verschiedenen Blickwinkeln einzuordnen. Heute beleuchte ich die Möglichkeiten für PropTechs. Mein früherer Artikel hat viele Reaktionen ausgelöst. Eine Zusammenfassung am Schluss.

Ökosystem ist umfassend

Das neue Gebilde mit den Aktionären Mobiliar, Ringier und TX Group verfügt über Applikationen, welche den ganzen Vermarktungs- und Vermietungsprozess abdecken. Über die Marktplätze homegate.ch und immoscout24.ch werden Mietobjekte ausgeschrieben. Interessenten nutzen den digitalen Bewerbungsprozess von flatfox.ch. Die Mietkaution wird über Swisscaution abgeschlossen, einer Tochtergesellschaft der Mobiliar. Während der Mietdauer werden Anliegen der Mieter über die Mieterplattform von aroov.ch (jetzt unter dem gleichen Dach mit flatfox.ch) bearbeitet.

Der potenzielle Käufer einer Liegenschaft findet sein Traumobjekt auf homegate.ch und immoscout24.ch. Die Hypothek kommt entweder von der Mobiliar oder aus dem Partnernetzwerk von financescout24.ch. Stehen beim erworbenen Objekt noch Reparaturen oder Umbauten an, sucht der Eigentümer die Handwerker auf der Mobiliar-Gesellschaft buildigo.ch. Das Gemeinschaftsunternehmen von Mobiliar und Raiffeisen, liiva.ch, bietet Besitzern von Wohneigentum eine Fülle von Services und Informationen. Und mit Raiffeisen Casa ist die Bank mehr oder weniger erfolgreich als Makler unterwegs.

Immobilienmakler nutzen das Immobilien-CRM von CASASOFT, während für die Bewirtschaftung GARAIO REM eingesetzt wird. Beide Systeme gehören entweder als Tochtergesellschaft oder als Beteiligung in den Dunstkreis von Mobiliar und immscout24.ch.

Wenig Alternativen für PropTechs

Die erwähnten PropTechs aus dem Dunstkreis von Mobiliar, Ringier und TX Group decken praktisch alle Bedürfnisse von Mietern und Eigentümern ab. Über die ERP-Systeme CASASOFT und GARAIO REM hat sich das Ökosystem direkt in den Innereien der Immobilienfirmen eingenistet. Ein Auswechseln der Applikationen ist aufwändig und teuer.

Bisher hatten PropTechs die Möglichkeit, sich beim Dreigestirn Mobiliar, Ringier und TX Group anzudienen. Der Wettbewerb ermöglichte es, dass die Gründer die drei gegeneinander ausspielen konnten. Dies wird in Zukunft nicht mehr der Fall sein. Der neue Monopolist wird punktuell noch hinzukaufen oder sich an interessanten Startups beteiligen. Auf jeden Fall haben sich die Kräfteverhältnisse weg von den PropTechs verändert.

Schweizer PropTechs haben sich in erster Linie um den Markt vor der Haustüre gekümmert. Zuerst die Deutschschweiz und später über die Sprachgrenzen in die Westschweiz und das Tessin. Meine Empfehlung an die vielen tollen Startups: Schleunigst eine Internationalisierungsstrategie erarbeiten. Sonst droht das langsame „Verhungern“ im abgeschotteten Schweizer Markt. Wer übrigens nach Japan expandieren will, kann sich bei mir melden. Ich habe dort einen interessanten Kontakt.

Wenig Alternativen für PropTechs.

Reaktionen auf letzten Post

  • The winner takes it all: Diese Weisheit gilt nicht nur für den amerikanischen Wahlkampf. Auch bei den Marktplätzen lebt die Nummer 1 sehr gut, der Nummer 2 geht es gut und danach sind sie dankbar für die Krümel, die vom Tisch fallen. Diese Situation erleben wir auch in der Schweiz bei allen Kleinanzeigen. In Deutschland verkaufte die Scout-Gruppe ihren autoscout24.de, weil sie in diesem Segment eben nicht die Nummer 1 waren.
  • WEKO: Bei den Kleinanzeigen wie Immobilien, Auto, Stellen spielen die internationalen Konzerne Google, Facebook  etc. keine Rolle. Die Gefahr der Monopolisierung und damit höherer Preise besteht.
  • Gegenbewegung: Andere Player wie newhome.ch oder Startups wie e-monitor, Houzy, ConReal sind interessante Alternativen. Banken und Versicherungen werden sich den Kontakt zu ihren Kunden nicht nehmen lassen. Können diese Player aber eine Gegenbewegung auslösen? Und vor allem finanzieren?
  • Stärkung newhome.ch I: Die Immobilienfirmen sollten nun endlich Solidarität zeigen und den „eigenen“ Marktplatz stärken. Eine Idee geistert wieder durch die Reihen: Die Inserate sollten während der ersten 10 Tage exklusiv auf newhome.ch publiziert werden. Leider funktioniert dies nicht, liefert newhome.ch einfach zu wenig Response (siehe auch die Statistiken in meinem früheren Artikel).
  • Stärkung newhome.ch II: homegate.ch und immoscout.ch haben in den letzten 20 Jahren sicher über 100 Millionen in Marketingaktivitäten gesteckt. Damit sind die beiden Marktplätze in den Köpfen der User „Top of Mind“. Dieser Vorsprung lässt sich auch mit der Solidarität der gesamten Immobilienbranche nicht aufholen.

Wenig Alternativen für PropTechs.

 


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