Bärner Bär und Züri Leu haben geheiratet

Bärner Bär und Züri Leu haben geheiratet. Konsolidierung bei den Hüsli-Portalen. Voting für Real Estate Award. EU AI Act betrifft Schweiz. Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.
Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.
Bärner Bär und Züri Leu haben geheiratet
Alle erwarten entweder die grosse Konsolidierung oder das grosse Sterben unter den PropTechs. Nichts von dem ist passiert. Jetzt tut sich aber etwas bei den Plattformen für Hüsli-Besitzer. Der behäbige Bärner Bär myky hat in Zürich eine Braut gefunden. Sie heisst Houzy. Das fusionierte Paar wird unter dem Dach der kürzlich gegründeten Swiss Digital House AG wohnen. Hausherr ist Verwaltungsratspräsident Peter Staub von pom+, Hausmeister der designierte CEO Tiziano Lenoci. Im Haus der Swiss Digital Home AG werden Houzy und devis.ch je ein Zimmer beziehen, während myky und hausinfo bereits den gleichen Raum teilen. Mit der Swiss Digital Home AG entsteht nun ein starker Player mit Dienstleistungen für Eigenheim-Eigentümerinnen. Frühere Mitbewerber wie liiva (gestartet als Gemeinschaftsunternehmen von Mobiliar und Raiffeisen) sowie ImmoWorld von Helvetia haben schon aufgegeben.
Ökosystem „Wohnen/Eigentum“ gescheitert
Die Besitzer von myky und hausinfo (Kantonalbanken und eine Gebäudeversicherung) haben im letzten Jahr eingesehen, dass zwei gleich oder ähnlich gelagerte Plattformen wenig Sinn machen. Der Leidensweg von Houzy dauerte fast 10 Jahre. Im Januar 2017 von Stefan Schärer (erfolgreich mit Handball und u.a. mit immoscout.ch, gescheitert mit ConReal und Eishockey) mit anderen als ANB Immo AG gegründet mit dem Zweck, Beratungen im Immobilienbereich anzubieten. Ein Jahr später erfolgte dann die Umbenennung in Houzy AG, der Firmenzweck wurde beibehalten. Dann wurde die Plattform an UBS und Baloise weitergereicht mit dem hehren Ziel, deren Ökosysteme zu stärken. Und jetzt konnten die Aktionäre die längst abgekühlte Kartoffel der Swiss Digital House AG übergeben. Die im Bild erwähnte devis.ch kam übrigens 2024 zu Houzy.

Gemäss Medienmitteilung sind an der neuen Swiss Digital Home AG u.a. die Helvetia Baloise Gruppe, die Berner Kantonalbank (direkt und indirekt), die Gebäudeversicherung Bern sowie 17 Kantonalbanken (vertreten durch die NNH Holding AG, die wiederum bei der Immobilienplattform newhome.ch Aktionär ist) beteiligt.
Meine Einschätzung: Mit der vollzogenen Fusion sind nun wohl alle Ökosystem-Träume der Finanzdienstleister zum Thema «Wohnen/Eigentum» geplatzt. Mit der Konsolidierung bei den Hüsli-Plattformen besteht nun die Chance, dass die Sache (endlich) abhebt. Zumindest stehen hinter der neuen Dachgesellschaft potente Aktionäre. Spannend wird es auf jeden Fall wegen der teilweise gleichen Aktionäre bei newhome.ch. Wobei die Helvetia Baloise Gruppe eher nicht kompatibel ist mit newhome-Aktionärin AXA. Auf den designierten CEO Tiziano Lenoci wartet bereits die 2. Mammutaufgabe innerhalb eines Jahres. myky und hausinfo hat er schon zusammengeführt, denn wer hausinfo.ch eingibt, kommt direkt zu myky. Houzy bringt mehr eigenes Personal, eine eigene Plattform und eigene Partner in die Ehe. Diese gilt es schnell zusammenzuführen, um so Synergien zu heben. Und ja, die Plattform devis.ch gibt es heute nur auf französisch. Offensichtlich ist es bisher nicht gelungen, die Dienstleistungen auch in der Deutschschweiz zu positionieren. Wie also weiter mit den vier Marken? Ich wünsche Tiziano Lenoci und seinem Team viel Glück bei der Umsetzung.
Events
Die Katze ist aus dem Sack, die Nominierten für die Real Estate Awards stehen fest. Es sind dies:
- Vermarktung: Homelymatch, maison.work, LiveTour
- Nachhaltigkeit: Klark, Renera, Swiss Prime Site
- Digital: AssetOS, Bewy, Nestermind
- Projektentwicklung und Innovation: BVK, The Circle, Itoba
Bis am 12. September können die Publikumsstimmen abgegeben werden.
Meine Einschätzung: Die Nominierten in den Kategorien Vermarktung und Digital erstaunen mich. Entweder sind es absolute Newcomer, noch kein Jahr auf dem Markt, oder es sind PropTechs, welche früher schon zur Auswahl standen. Dies ist keine Kritik an die Adresse der Jury oder der Bewerber. Vielmehr sind die vielen anderen PropTechs in der Pflicht, sich für den Real Estate Award zu bewerben. Neben einem unterhaltsamen Referat von Donato Scognamiglio und der Comedy von Müslüm werden wir von den Nominierten sicher viel über KI hören. Ich freue mich auf die Gala.

Einer der wenigen Anlässe, für den ich früh aufstehe, ist das Innovationsfrühstück von Designraum. Die beiden Inhaber Marcel und Christian verstehen es immer wieder, Freunde, Kunden und Neugierige zum Frühstück zu locken. Besonders gefallen hat mir dieses Mal die Darstellung mit den digitalen Lösungen für den gesamten Lebenszyklus von Immobilien. Ich habe mich immer gewundert, wie wenig durchlässig die Vermarktungsprodukte für Immobilien waren. Bei jedem Schritt wurde etwas Neues geschaffen, immer mit der Begründung, dass die Qualität der z.B. vom Architekturbüro erstellten Bilder nicht genüge. Designraum hat jetzt die Lösungen für den gesamten Lebenszyklus.

Die IMMO27 soll grösser, stärker, besser werden. Entscheidend zum Erfolg tragen die Aussteller bei. Bis Ende August 26 können sich interessierte Unternehmen noch anmelden. Ich empfehle allen PropTechs, sich eine Teilnahme als Aussteller zu überlegen. Hier geht’s zur Anmeldung.
Investments
Grossbritannien ist nach wie vor unangefochtener europäischer Spitzenreiter bei den VC-Investitionen. Gleichzeitig verzeichnet UK das höchste Wachstum unter den Top-10-Ländern. Im ersten Halbjahr 2026 nahmen britische Start-ups mehr als doppelt so viel Kapital ein wie ihre deutschen Pendants und mehr als das Dreifache des französischen Gesamtvolumens. Die Schweiz schlägt sich ganz gut im Konzert der europäischen Länder.

PropTech Map Switzerland
Woonig hat nach eigenen Angaben die Plattform mit Agentic AI für die digitale Prozessautomatisierung erweitert. Die KI-Agenten sollen Immobilienverwaltungen bei klar definierten, freigeschalteten Routineaufgaben unterstützt werden. Wiederkehrende Arbeitsschritte sollen so effizienter strukturiert, vorbereitet und weitergeführt werden.

Homematch ist jetzt Teil von peak intelligence AG. Dieses Software war bisher schon Entwicklungspartner. Nun haben sie das Produkt vollständig übernommen. Seither hat sich einiges verändert. Homematch Studio ist der neue Immobilienmarkt. Homematch App wurde komplett überarbeitet. Die Plattform soll unter dem neuen Dach weiterentwickelt werden.
Künstliche Intelligenz
Dorian de Vinck von BACKBONE schreibt, dass seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des EU AI Act für bestimmte KI-generierte oder manipulierte Inhalte. Für Schweizer Immobilienunternehmen ist dies relevant, sobald ihre Angebote in den Anwendungsbereich des EU AI Act fallen – etwa wenn KI-Systeme oder deren Ergebnisse in der EU eingesetzt werden.
KI-Bilder in Immobilieninseraten: Was Schweizer Anbieter beachten müssen
Besonders aufmerksam sollten Makler und Vermarkter bei stark veränderten Immobilienbildern sein. Virtuelles Staging oder realistisch wirkende KI-Manipulationen können eine Offenlegung erforderlich machen. Normale Bildoptimierungen, die den ursprünglichen Inhalt nicht wesentlich verändern, sind dagegen grundsätzlich ausgenommen.
| Kritisch | In der Regel unkritisch |
| Virtuelles Staging | Helligkeit/Farben |
| KI-generierte Räume | Kleine Retuschen |
| Veränderte Bauteile | Standard-Bildoptimierung |
| Realistische KI-Manipulation | Unveränderte Grundrisse |
Für Schweizer Immobilienportale und Makler empfiehlt es sich deshalb, klare Regeln für KI-Bilder einzuführen und entsprechende Kennzeichnungsmöglichkeiten vorzusehen. Auch wenn ein Inserat ausschliesslich die Schweiz betrifft, schafft eine freiwillige Kennzeichnung Transparenz und verhindert, dass Interessenten ein KI-verändertes Bild mit dem tatsächlichen Zustand einer Immobilie verwechseln.
Die EU-Kommission bestätigt, dass die Transparenzregeln seit 2. August 2026 gelten.
Meine Einschätzung: Die EU-Regeln gelten nicht automatisch für jedes Schweizer Inserat. Aber als Makler, Vermarkter oder Immobilienportal so zu tun, als ginge sie der EU AI Act nichts an, wäre fahrlässig. Wer sich proaktiv damit befasst, ist sicher im Vorteil.

Wie leicht lassen wir uns täuschen. Welches der beiden Bilder ist von AI geschaffen worden? Die Auflösung ist am Schluss nach den Veranstaltungen zu finden.
Immobilienportale
Zillow verzeichnete im zweiten Quartal 2026 trotz Umsatzsteigerungen einen geringfügigen Nettoverlust von 4 Millionen Dollar. Mit den Zahlen informierte Zillow gleichzeitig, dass in Kürze zudem über 500 Stellen abgebaut würden. Der Umsatz im zweiten Quartal belief sich auf 772 Millionen Dollar, was einem Anstieg von 18 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die Nutzerzahlen bei den mobilen Apps und auf der Website gingen im zweiten Quartal um 2 % auf durchschnittlich 239 Millionen Unique User pro Monat zurück.
Marktführer mit zweistelligen Zuwachsraten
Scout24, mit Deutschlands führendem Immobilienmarktplatz ImmoScout24 und der Fotocasa Group in Spanien, hat seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 bekannt gegeben. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg nach der Übernahme der Fotocasa Group im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 % auf 192 Mio. Euro. Der ordentliche operative EBITDA betrug 116 Millionen Euro, was einem Anstieg von 14,6 % entspricht, bei einer Marge von 60,1 %.
Auch andere börsenkotierte Immobilienmarktplätze verzeichneten im 2. Quartal beachtliche Zuwächse. Die detaillierten Berichte können auf hier nachgelesen werden.

Gian Sbetta hat in seinem kürzlichen Newsletter eine spannende Graphik von Avenir Suisse gezeigt. Obwohl die ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz gemäss Avenir Suisse bei 26 % liegt, beträgt der Ausländeranteil in Schlüsselbereichen 39 % bis 78 %. Kürzlich habe ich in einem Gastkommentar gelesen, dass die «satten» Schweizer lieber eine Stelle beim Staat annehmen würden als sich dem Risiko einer Startup-Gründung auszusetzen.
Ausgewählte Veranstaltungen
Fehlt ein Anlass mit Bezug zu PropTech? Einfach melden an heinz.m.schwyter@schwyterdigital.ch
Die swiss startup association organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche auch für PropTechs interessant sind. Da es so viele Anlässe sind, hier der Link zur Website von ssa.
Am 26. August 2026 organisiert Csaba von Zalan wieder seine bestens bekannte Paprika ImmoGolf Gentlemen Challenge.
Das Immobiliengespräch findet in Zürich am 2. September 2026 zum 111. Mal statt.
Einer meiner liebsten Investoren-Anlässe: Winti Ventures lädt zur fünften Runde am 9. September 2026.
Das Immobiliengespräch gibt es auch in Lausanne. Am 17. September 2026 ist es wieder soweit.
Luzern ist am 24. September 2026 Austragungsort des 110. immoTable.
Im Trafo in Baden geht am 22. Oktober 2026 der Real Estate Award 2026 über die Bühne.
In Madrid findet vom 28. bis 30. Oktober die PropTech & PortalWatch Conference statt.
Den Global Real Estate Run kann man zwischen dem 29. und 30. Oktober auch in Madrid absolvieren.
Der November ist wieder reich befrachtet. Die neue Semaine de l’Immobilier et du Logement findet in Paris vom 2. bis 6. November 2026 statt. Le Salon RENT ist darin eingebettet vom 4. bis 5. November 2026.
Winterthur heisst zwischen dem 5. und 6. November 2026 die Gäste der Startup Nights willkommen.
An der fuckup night von Smino wird am 12. November 2026 über Misserfolg und die Lehren daraus berichtet.
In der Serie immoTable wird die 111. Ausgabe am 26. November 2026 in St. Gallen durchgeführt.
Das letzte Immobiliengespräch dieses Jahres findet wieder in Zürich am 2. Dezember 2026 statt.
Veranstaltungen 2027
Den nächsten Digital Real Estate Summit gibt es erst 2027 wieder.
Die IMMO27 findet vom 13. bis 14. Januar 2027 statt.
Am 1. Februar öffnen sich die Türen des Kunsthauses Zürich für das 26. Symposium der Group of Fifteen.
Beim Besuch der REM SWISS 2027 vom 2. und 3. März 2027 können die Französischkenntnisse aufgefrischt werden.
Französisch spricht man auch an der MIPIM. Vom 15.-19. März 2027 trifft sich die Branche wieder am Mittelmeer.
Hamburg ist vom 14. bis 15. April wieder Gastgeber des PropTech Summit und des Construction Summit.
Warum nicht Malta im Frühling? Vom 13. bis 14. Mai 2027 findet der EU-Startups Summit statt.
Die Flughafenregion Zürich lädt am 1. Juni 2027 zum nächsten ImmoSummit ein.
Am 7. Juni rückt Rotkreuz ins Zentrum mit der 2. Konferenz AI@RE.
1 Kommentar
Schweiz als Startup-Standort • PropTech News · 7. September 2026 um 09:00
[…] haben myky und Houzy ihre «Heirat» verkündet. Damit wird der Markt der Portale für Eigenheimbesitzer […]