Paris, mon amour, toujours

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Paris, mon amour, toujours

Paris, mon amour, toujours. Paris ist heute Velostadt. Eindrücke vom Salon RENT in Paris. Grösste PropTech-Messe. CEO von SMG äussert sich. Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.

Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.

Paris, mon amour, toujours

Keine Angst, dies ist kein Reisebericht. Vielmehr teile ich meine Eindrücke von meinem Besuch am Salon RENT in Paris. RENT hat auch einen Ableger in Lausanne, ich habe darüber geschrieben. Zuerst doch noch meine persönlichen Erfahrungen mit Paris.

Paris, mon amour, toujours

Ich war erstmals 1978 in Paris, um im Eurocentres französisch zu lernen. Damals war die Sprache nicht so wichtig, vielmehr interessierte mich als Landei das prickelnde Leben der Grossstadt. Jetzt, 2025, treffe ich eine stark veränderte Stadt vor. Die vielen hupenden Autos sind den Velos gewichen. Es gibt überall Velowege und diese werden stark genutzt. Auch in Paris sind die Verkehrsregeln oder das Tragen eines Helms etwas für Warmduscher. Obwohl: Ich bin selber genauso oft bei rot über die Strasse wie bei grün. Und aktuell tragen die jungen Leute in Paris sog. Baggy Jeans, also die ultraweiten Hosen mit viel Bewegungsfreiheit. Ist mir so in der Schweiz noch nicht aufgefallen. Paris, mon amour, toujours.

 

Erfahrungen vom Salon RENT

Die Messe fand in einer riesigen Ausstellungshalle bei der Porte de Versailles statt. Während der Ausstellung kam so nie das Gefühl von Enge auf. Alles war grosszügig und luftig. Gleichzeitig wurden auf dem Gelände weitere Anlässe durchgeführt wie eine Messe für Stockwerkeigentum. Am Salon RENT haben gegen 400 Aussteller teilgenommen. Erwartet wurden über 12’000 Besucherinnen und Besucher aus der Immobilienbranche. Der Salon RENT ist eine reine Technologiemesse. Die Stände von Immobilienfirmen kann man an zwei Händen abzählen. Die Leute aus der Branche kommen, um sich über die neuesten technischen Entwicklungen zu informieren.

KI first

Paris, mon amour, toujours

In der Kategorie «Software» waren fast ein Drittel aller Aussteller vertreten. Knapp 100 Aussteller liessen sich unter «autres services aux professionels» eintragen. Unglaubliche 36 Immobilienportale präsentierten sich dem Fachpublikum. SeLoger, Figaro Immobilier, bazzile, vivre dans le neuf, bien’ici, être proprio, ParuVendu oder Green acres zeigt die Vielfalt unter den französischen Immobilienportalen. Ganz viele Aussteller präsentierten eine mit KI-angereicherte Lösung. Ja, ich hatte manchmal den Eindruck, dass ohne den Zusatz «KI» ein Produkt als nicht zeitgemäss wahrgenommen wird.

Kleine, feine Schweizer Präsenz

Fünf Unternehmen waren mit einem eigenen Stand vor Ort. PriceHubble, RealAdvisor und properstar waren vor allem mit dem französischen Ableger angetreten. Homepad und Swiximo traten als Schweizer Anbieter auf. Ganz besonders hat mich der Kontakt mit dem Gründer von Homepad gefreut.

Paris, mon amour, toujours

Vor vielen Jahren haben wir über eine Zusammenarbeit zwischen ihm und homegate.ch gesprochen. Homepad war wohl der ersten Anbieter mit einem digitalen Wohnungsübergabeprotokoll. Leider ist aus den Gesprächen nichts geworden. Mittlerweile hat sich Homepad enorm weiterentwickelt und ist auch in mehreren Ländern präsent. Die Kontakte mit Swiximo datieren auch noch aus meiner homegate-Zeit. Das Maklernetzwerk hat längst die Westschweiz verlassen und ist ebenfalls in mehreren Ländern aktiv. Als nächstes «Land» soll die Deutschschweiz erschlossen werden. Der dafür verantwortliche Business Developper arbeitet bereits im Unternehmen und war auch in Paris anwesend.

Beim Schlendern zwischen den Ständen sind mir noch der Gründer vom internationalen Immobilienportal properstar sowie die Kollegen von Backbone und von lookmove über den Weg gelaufen. Ich habe die offenen Gespräche mit ihnen sehr geschätzt. Am Abend des ersten Messetages stieg dann die grosse Party.

Paris, mon amour, toujours

5 tendances qui vont redessiner le rôle de l’agent immobilier

Neben den vielen Ständen wurden auf drei Bühnen Pitches, Panels und Präsentationen durchgeführt. Am besten gefallen hat mir das Referat von Vincent und Florian gefallen. Wie muss sich der Immobilienmakler neben KI, den Mega-Franchise-Unternehmen und den sich bekämpfenden Immobilienportalen für die Zukunft aufstellen? Ich habe die Präsentation aufgenommen und dann mit Meeting Metrics transkribiert und zusammengefasst. Hier das Wichtigste:

Die Immobilienportale befinden sich im Umbruch: Künstliche Intelligenz wird zur zentralen Zugangsschicht, in der Anwendungen über Plattformen wie ChatGPT nutzbar werden. Der Wert verschiebt sich von der reinen Reichweite hin zur Datenqualität, -struktur und Zugriffsfähigkeit über APIs. Portale müssen entscheiden, ob sie ihre Daten für KI monetarisieren oder versuchen, der Datenextraktion zu widerstehen – die Systeme crawlen längst. Überleben dürften drei Modelle: KI-getriebene Suchplattformen, spezialisierte API-Anbieter und vertikale Nischenportale.

Europäische Super-App

Eine Konsolidierungswelle beschleunigt den Markt – in Frankreich (SeLoger, Leboncoin, Arch, IAD, Foncia) in den USA (Compass, Zillow, Anywhere) und (Anmerkung von mir) in der Schweiz mit dem Stichwort SMG. Besonders im Fokus steht in Frankreich der Dreikampf zwischen IAD, Arch und Compass, getragen von Übernahmen und strategischen Allianzen. Parallel entsteht ein Trend zu integrierten Ökosystemen rund um Transaktion, Finanzierung, Versicherung und Service. Eine mögliche europäische „Super-App“ könnte von CoStar initiiert werden.

In Frankreich liegt der Datenschatz der Makler noch in geschlossenen CRM-Systemen, während in den USA offene MLS-Standards dominieren. Diese Asymmetrie eröffnet Chancen und Risiken. KI-gestützte Tools stärken Endkunden – von Preisabschätzung bis Vorqualifizierung – und drücken die durchschnittlichen Provisionen. Komplexere Geschäfte bleiben menschlich geprägt.

Der Maklerberuf wandelt sich: hin zum „Super-Agenten“, der Beziehung, Technologie und Regionalexpertise vereint. Handlungsempfehlungen der beiden Referenten umfassen den Aufbau einer datengetriebenen Strategie, modulare Honorarstrukturen, spezialisierte Teams, neue Servicepartnerschaften und gezielte KI-Schulungen für Effizienz und Differenzierung.

Fazit von meinem Besuch in Paris

Paris, mon amour, toujoursParis, mon amour, toujours. Die Reise in die französische Metropole hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt. Schweizer PropTechs, welche den französischen Markt anpeilen, müssen sich unbedingt am Salon RENT orientieren. Hier kommen sie mit anderen Startups wie auch mit potenziellen Kunden ins Gespräch. 2026 könnte es noch ein Besucherticket sein, später lohnt sich dann ein eigener Auftritt. Am Salon RENT kann man im Corner Village Startup oder mit einem Stand ab 4m2 präsent sein. Paris, die Schweizer PropTechs kommen. Paris, mon amour, toujours.

Events

Grosser Auftritt von Christoph Tonini, CEO SMG, an den NZZ Real Estate Days. In seinem Referat machte er einige beachtliche Aussagen:

SMG richtet seine Strategie klar auf eine KI-getriebene Zukunft aus, ohne das Kerngeschäft aus den Augen zu verlieren. Das wichtigste Vertical bleibt Real Estate, das weiterhin mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht – flankiert von den Bereichen Auto und General Marketplace. Aktuell stammt nur rund 0,4 % des Traffics über Large Language Models (LLMs), doch mittelfristig birgt „agentic AI“ erhebliches Disruptionspotenzial. SMG plant deshalb, eigene plattformspezifische AI-Agenten zu entwickeln.

SMG setzt auf eine AI-first-Strategie bis 2026: Aufbau eigener plattformspezifischer KI-Agenten, massive Weiterentwicklung von Conversational- und Semantic-Search, Personalisierung und Predictive Services. Während Integrationen mit LLMs geplant sind, sollen Abschluss, Detail-Page-Views und Transaktionen bewusst auf der eigenen Plattform bleiben. Erfolgreiche Beispiele sind der Ricardo AI Assistent (bereits über 50 % Nutzung) und Chat-basierte Suche bei Autoscout.

Preiserhöhungen nur bei Mehrwert

In der Preisstrategie verfolgt SMG einen klaren Mehrwertansatz: keine Preiserhöhungen ohne Leistungssteigerung, variable Anpassungen nach Lead-Qualität und Transparenz durch harmonisierte, faire Preisstrukturen.

Im Wettbewerb sieht SMG internationale KI- und Big-Tech-Akteure (z. B. ChatGPT mit Zillow) als grösste Bedrohung. Differenzierung erfolgt über Trust & Safety, Cybersecurity und Fraud Prevention. Parallel laufen Gespräche mit WEKO und Preisüberwachung, um gleiche Rahmenbedingungen sicherzustellen.

Technologisch plant SMG Partnerschaften mit führenden LLM-Anbietern, bevorzugt mit Schweizer Datenhoheit. Eine neue Initiative mit IAZI soll die Nutzung bestehender Wohnflächen effizienter gestalten.

Übergeordnet bleibt der Kurs klar: AI‑first bis 2026, mehr Transparenz im Pricing, verstärkte Investitionen in Sicherheit und Vertrauen sowie gezielte Kooperationen im Bereich Datenhoheit und LLM‑Integration.

PropTech Map Switzerland

Homepad habe ich schon in meinem Bericht über den Salon RENT erwähnt. Gründer Betim hat nun eine Mehrheitsbeteiligung an die luxemburgische Gesellschaft innorealty verkauft. Das Dienstleistungsangebot von Homepad ergänze idealerweise das Portefeuille, so der Käufer.

Bei homematch.ch kommt es zu Veränderungen. Das Gesicht nach Aussen, Vanessa Mamié, verlässt das Startup Ende Jahr. Ab sofort ist Luc Hugentobler der neue Ansprechpartner. homematch.ch soll neu ausgerichtet werden. Der strategische Wechsel soll in den nächsten Wochen kommuniziert werden.

Künstliche Intelligenz

KI-Agenten können unsere Jobs (noch) nicht wirklich übernehmen – eine neue Studie zeigt die Grenzen auf. Laut dem „Remote Labor Index“ von Scale AI und CAIS konnten selbst die besten Modelle nur 2–3 % realer Freelance-Aufgaben vollständig erledigen. Sie verdienten lediglich 1.810 US-Dollar von möglichen 143.991 US-Dollar. Getestet wurden echte Aufgaben wie Schreiben, Recherchieren, Dateneingabe und Designarbeiten, also keine künstlichen Laborbeispiele.

Die Hauptprobleme: mehrstufige Arbeitsabläufe, unklare Anforderungen, fehlendes Urteilsvermögen und die Notwendigkeit von Rückmeldungen. Zwar können kleinere Modelle Routinearbeiten automatisieren und grössere Modelle Workflows steuern, aber stets unter menschlicher Aufsicht. Zudem entstehen versteckte Kosten durch technische Einschränkungen, Sicherheitstests und Nacharbeit. Trotzdem berichten 74 % der Unternehmen, die KI produktiv nutzen, von positivem ROI.

Fazit: KI kann Arbeit effektiv unterstützen, aber keine komplexen menschlichen Tätigkeiten ersetzen – zumindest noch nicht.

Wie leicht lassen wir uns täuschen. Welches der beiden Bilder ist von AI geschaffen worden?

Paris, mon amour, toujours    Paris, mon amour, toujours

Die Auflösung folgt nach meinen Veranstaltungstipps.

 

Paris, mon amour, toujours

Zillow meldete für das dritte Quartal 2025 solide Finanzergebnisse, die auf den ersten Blick positiv wirkten. Der Umsatz übertraf die Prognosen der Analysten, vor allem dank Zuwächsen in den Geschäftsbereichen Vermietungen und Hypothekenvermittlung. CEO Rich Barton betonte den Fortschritt in der Umsetzung der Strategie einer umfassenden „Housing Super-App“, die alle Aspekte des Wohnungsmarkts auf einer Plattform bündeln soll. Dennoch reagierten die Anleger verhalten: Die Aktie fiel deutlich nach der Veröffentlichung der Zahlen.

Hintergrund ist das weiterhin schwierige Marktumfeld. Hohe Zinsen, rückläufige Transaktionsvolumina und ein Mangel an Immobilienangeboten belasten das Kerngeschäft. Barton sprach von einem „eingeschränkten Wohnungsmarkt ohne klare Anzeichen einer Entspannung“. Zudem steigen die Kosten durch zunehmenden Wettbewerb, insbesondere durch Konflikte mit Compass und den wachsenden Druck von CoStar und dessen Plattform Homes.com. Diese Konkurrenz zwingt Zillow, mehr in Marketing, Technologie und Rechtsstreitigkeiten zu investieren.

Unterm Strich bleibt das operative Ergebnis stark, doch die Marktrisiken und Wettbewerbsausgaben dämpfen die Zuversicht. Investoren zweifeln daher, ob Zillow den eingeschlagenen Wachstumspfad nachhaltig halten kann oder lediglich kurzfristige Erfolge in einem teuren Konkurrenzkampf erzielt.

Ausgewählte Veranstaltungen

An der Fuckup Night vom 13. November 2025 geht es ums Scheitern und um die Lehren daraus. Wer sich kurzfristig anmelden will, meldet sich direkt bei smino.

Der 107. immoTable vom 27. November 2025 in Basel schliesst den Veranstaltungsreigen ab.

Veranstaltungen in 2026

Neu in der Halle 550 findet die IMMO26 vom 14.-15. Januar 2026 statt.

Die Swissbau bietet Startups eine Bühne vom 20.-23. Januar 2026.

Am 2. Februar 2026 lädt die Group of Fifteen zum jährlichen Symposium im Kunsthaus Zürich. Im Jubiläumsjahr geht es um «Fortschritt statt Vorschrift – Fesseln lösen, Zukunft gestalten».

Die Schweiz hat vom 10.-12. Februar 2026 einen Pavillon an der E-World Energy & Water in Essen.

Der nächste Digital Real Estate Summit findet am 5. März 2026 im Trafo in Baden statt.

Raus in den Frühling von Cannes. Dort gibt es die nächste MIPIM vom 9.-13. März 2026.

Die 4. Durchführung von Winti Ventures findet am 15. April 2026 in Winterthur statt.

Im April lockt der Proptech Summit die Gäste vom 22. bis 23. April 2026 nach Hamburg.

Den Global Real Estate Run kann man vom 23. bis 24. April 2026 auch in Hamburg während des Proptech Summits absolvieren. Sonst einfach dort, wo es gerade passt.

Malta im Mai muss sehr schön sein. Neben der Insel kann vom 7.-8. Mai 2026 der EU-Startups Summit entdeckt werden.

Die REAL Estate Arena beherbergt die Branche vom 10. bis 11. Juni 2026 im Messegelände Hannover.

Am 15.-17. Juni 2026 gastiert die EXPO REAL Asia Pacific in Singapur.

 

Das Bild mit den beiden Katzen ist KI, während das Bild mit der Katze auf dem Rücken real sei. Wobei sich die Autoren auch nicht 100 %ig sicher sind!

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