PropTech Hype löst Versprechen nicht ein

Veröffentlicht von proptechnews am

PropTech Hype löst Versprechen nicht ein

PropTech Hype löst Versprechen nicht ein. Chinesische KI-Modelle greifen an. KI-Brillen boomen. Zillow paktiert mit Google. Börse straft ab. Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.

Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.

PropTech Hype löst Versprechen nicht ein

Prof. Dr. Thomas Herr argumentiert in seinem Artikel auf konii.de, dass der ursprüngliche PropTech-Hype seine Versprechen weitgehend nicht eingelöst habe. Viele Start-ups wollten die Immobilienbranche grundlegend verändern, scheiterten jedoch an langen Verkaufszyklen, konservativen Kunden, hohen Finanzierungskosten und fehlenden tragfähigen Geschäftsmodellen. Statt schneller Disruption dominiere heute Konsolidierung: Erfolgreich seien vor allem Unternehmen, die konkrete Probleme lösten und sich nahtlos in bestehende Prozesse integrierten. Wachstum um jeden Preis sei passé, Profitabilität und nachhaltiger Kundennutzen stünden im Vordergrund. Der Beitrag von Herr sieht darin kein Ende von PropTech, sondern den Übergang von einer Phase überzogener Erwartungen hin zu einer realistischeren und reiferen Marktentwicklung.

Meine Einschätzung: Ich teile die Meinung von Thomas Herr nur bedingt. Die Startups wollen nicht nur verändern, sie wollen auch erfolgreich sein und Geld verdienen. Bis heute sehe ich noch keine Konsolidierung. Was ich aber schon seit langem bemängle, ist die Fokussierung auf den Schweizer Markt. Viele PropTechs haben keine internationale Strategie. Dies wird sich über die Zeit rächen. Heute schon erfolgreiche Startups sind alle in mindestens einem weiteren Markt tätig.

PropTech Map Switzerland

gridwork.ch, ein CRM für Makler, bietet einen neuen Service: Sprechen statt tippen. Jetzt kann bei einer Besichtigung alles Wissenswertes gleich ins System gesprochen werden. So funktioniert’s:

  • Einmal verbinden – Der eigene KI-Assistent (ChatGPT, Copilot, Gemini, Claude oder ähnlich) wird mit dem Gridwork CRM verbunden. Dabei wird festgelegt, was die KI sehen darf.
  • Reden statt tippen – Nach einer Besichtigung wird der Sprachmodus genutzt oder eine Audionotiz wird im Assistenten aufgenommen. Die Adresse, der Name der Eigentümerin oder etwas anderes wird genannt, um die Immobilie eindeutig zu identifizieren, sowie das, was festgehalten werden soll.
  • Gespeichert im CRM – Der Assistent trägt die Notiz direkt beim passenden Kontakt oder Objekt in Gridwork ein, genauso, wie es eingesprochen wurde.

 Künstliche Intelligenz

Laut der Investmentgesellschaft a16z setzen rund 80 % der führenden Silicon-Valley-Startups zunehmend auf offene KI-Modelle aus China statt auf US-Anbieter. Unternehmen wie Coinbase, Siemens, Airbnb, Shopify oder Uber Eats nutzen bereits Modelle wie Qwen, Kimi K3, GLM oder DeepSeek im produktiven Einsatz. Ausschlaggebend sind die deutlich tieferen Kosten, die hohe Leistungsfähigkeit sowie die Möglichkeit, diese Modelle auf eigener Infrastruktur oder bei europäischen Hostern zu betreiben. Dadurch lassen sich Datenschutz- und DSGVO-Anforderungen einfacher erfüllen. Für Unternehmen wird deshalb nicht mehr die Wahl eines einzelnen KI-Anbieters entscheidend sein, sondern die gezielte Kombination verschiedener Modelle für unterschiedliche Aufgaben.

PropTech Hype löst Versprechen nicht ein

Quelle: Niklas Volland

Meta-Brillen droht Verkaufsverbot

Startup Insider berichtet, dass Metas Smart Glasses als getarnte Kameras eingestuft würden. Hamburgs Datenschutzbeauftragter sieht das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt, wenn eine Person in der Öffentlichkeit unbemerkt gefilmt werde. In Deutschland könne die Bundesnetzagentur den Verkauf und möglicherweise den Besitz solcher Brillen untersagen. Wenn eine Brille über die eingebaute Kamera die Umwelt filmt, geht dies leicht unter. Zwar zeigt ein kleines Licht an, dass gefilmt wird. Dieses ist für Aussenstehende fast nicht erkennbar.

PropTech Hype löst Versprechen nicht ein

Quelle: Meta

Der Markt boomt

In den ersten drei Monaten 2026 wurden weltweit gegen 2,25 Millionen KI-Brillen verkauft, was einer Steigerung von 167 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Meta hätte einen Marktanteil von ca. 70 %, laut IDC. Financial Times berichtet, dass Meta an «Super-Sensing»-Prototypen arbeite. Die in der Brille eingebauten Mikrofone würden permanent mithören und alle paar Sekunden würde ein Foto gespeichert. Und dies ohne ein sichtbares Lichtsignal.

Meine Erkenntnisse: Ich kannte das Recht auf informationelle Selbstbestimmung nicht. Auf der Website de Datenschutzbeauftragen des Kantons Zürich (weshalb sich eine offizielle Stelle des Kantons klein schreibt, entzieht sich meiner Logik), steht:

Der Anspruch auf informationelle Selbstbestimmung gewährleistet, dass jede Person grundsätzlich selbst darüber bestimmen darf, wem und wann sie persönliche Lebenssachverhalte mitteilt und in welchem Ausmass diese Informationen bearbeitet werden. Mit der Verankerung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung in der Verfassung und seiner Konkretisierung in den Datenschutzgesetzen des Bundes und der Kantone wird dem wachsenden Gefährdungspotenzial moderner Informationstechnologien Rechnung getragen.

Art. 13 Abs. 2 Bundesverfassung (BV, SR 101)

Immobilienportale

Google macht ernst und erhöht den Druck auf die Immobilienportale. Vor wenigen Tagen schrieb Vincent Lecamus, Google habe den Portalen den Krieg erklärt. Nun liefert der Technologiekonzern gleich die Bedienungsanleitung dazu: Die Home Listing Ads werden in allen 50 US-Bundesstaaten eingeführt, und Google erklärt Maklern Schritt für Schritt, wie sie teilnehmen können.

Kunden der Local Services Ads sind automatisch dabei – ohne zusätzlichen Aufwand. Alle anderen können sich ab sofort anmelden. Die Immobilienanzeigen werden weiterhin direkt über die MLS eingebunden, kostenlos und ohne Mehraufwand. Der Slogan bleibt unverändert: „Keine zusätzlichen Kosten. Keine zusätzlichen Schritte. Einfach mehr Sichtbarkeit.“

Das vielleicht deutlichste Signal der Woche kommt jedoch nicht von Google, sondern von Zillow. Das führende US-Immobilienportal sucht nicht die Konfrontation, sondern die Zusammenarbeit. Zillow hat eine Partnerschaft mit Gemini gestartet, sodass Mietinteressenten Immobilien suchen, vergleichen und Besichtigungstermine vereinbaren können, ohne die KI von Google verlassen zu müssen.

Zillow paktiert mit Google

Diese Entwicklung ist bemerkenswert: Statt das eigene Portal als alleinigen Einstiegspunkt zu verteidigen, integriert sich Zillow in das Google-Ökosystem. Dabei hat Zillow rund 15 Jahre gebraucht, um sich als wichtigste Anlaufstelle für die Immobiliensuche in den USA zu etablieren. Google könnte diese Machtverhältnisse in deutlich kürzerer Zeit verändern. Innerhalb eines Monats wurden die Home Listing Ads auf alle 50 US-Bundesstaaten ausgeweitet. Vincent Lecamus stellt deshalb die spannende Frage: Wie lange würde Google für einen vergleichbaren Markteintritt in Frankreich – oder anderen europäischen Märkten – benötigen?

Meine Einschätzung: 2006 habe ich mich mit meiner Diplomarbeit mit der Frage auseinandergesetzt, was passiert mit dem Geschäftsmodell von homegate.ch, wenn die Googles dieser Welt den Markt für Immobilieninserate mit ihrer Marktmacht überfluteten. Heute, 20 Jahre später, könnte dieses Szenario eintreten. Es scheint so, wie wenn die Börsen diese Entwicklung schon vorweggenommen hätten. Die börsenkotierten Immobilienportale haben in den letzten Monaten alle enorm an Wert verloren. Swiss Marketplace Group konnte zwar am letzten Handelstag um fast 5 % zulegen, seit dem Start im letzten Herbst notiert die Aktie aber 40 % tiefer.

 

PropTech Hype löst Versprechen nicht ein

«Wir feiern ein Jahrzehnt der PropTech-Innovation und des Wachstums – die Wachstumschancen für die Branche und den Kontinent», schreibt euphorisch Thomas Veith. Die zehnte Ausgabe der PropTechMap von PwC und BuiltWorld liegt vor, die eine bemerkenswerte Entwicklung von einer aufstrebenden Technologie zu einer tragenden Säule der europäischen bebauten Umwelt markiere. Weiter meint Veith, dass in den vergangenen zehn Jahren Technologie und Innovation massgeblich dazu beigetragen hätten, die Art und Weise zu verändern, wie Gebäude bewertet, finanziert, betrieben, vermarktet und in Städte integriert werden.

PropTech Hype löst Versprechen nicht ein

Die diesjährige Top100-Liste verdeutlicht diese Entwicklung: 83 % der Unternehmen befinden sich in der Wachstums- oder Expansionsphase. Da KI und Agentifizierung neue Möglichkeiten eröffnen würden, verlagere sich der Fokus von der Frage „ob“ hin zu „wie“ das volle Potenzial der Technologie effizient ausgeschöpft und gleichzeitig Risiken bewältigt werden können. Die EU erkenne dieses Wachstumspotenzial als strategische Priorität an und würde im Rahmen von Programmen wie „Horizon Europe“ (>90 Milliarden Euro) und dem „Digital Europe Programme“ (7,5 Milliarden Euro) umfangreiche Fördermittel bereitstellen, um die digitale Transformation in der Immobilien- und Baubranche zu beschleunigen.

Meine Einschätzung: Unter den Top100 sind auch Schweizer PropTech wie popety.io, soobr, viboo oder AssetOS aufgeführt. Herzliche Gratulation. Die Autoren sind mir immer noch eine Antwort schuldig, wie sich Immobilienmakler in die Kategorie «Market» schmuggeln konnten. Auch scheint mir die Auswahl für Europas Top100 erklärungsbedürftig. Allein die nationalen PropTech Maps für die Schweiz und für Deutschland vereinen ungefähr 2’000 Einträge. Nehmen wir noch weitere Märkte hinzu, ergibt dies eine viel grösseres Potenzial für diese Auswahl. Oder habe ich etwas übersehen?

Ausgewählte Veranstaltungen

Fehlt ein Anlass mit Bezug zu PropTech? Einfach melden an heinz.m.schwyter@schwyterdigital.ch

Die swiss startup association organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche auch für PropTechs interessant sind. Da es so viele Anlässe sind, hier der Link zur Website von ssa.

Am 26. August 2026 organisiert Csaba von Zalan wieder seine bestens bekannte Paprika ImmoGolf Gentlemen Challenge.

Das Immobiliengespräch findet in Zürich am 2. September 2026 zum 111. Mal statt.

Einer meiner liebsten Investoren-Anlässe: Winti Ventures lädt zur fünften Runde am 9. September 2026.

Das Immobiliengespräch gibt es auch in Lausanne. Am 17. September 2026 ist es wieder soweit.

Luzern ist am 24. September 2026 Austragungsort des 110. immoTable.

Im Trafo in Baden geht am 22. Oktober 2026 der Real Estate Award 2026 über die Bühne.

In Madrid findet vom 28. bis 30. Oktober die PropTech & PortalWatch Conference statt.

Den Global Real Estate Run kann man zwischen dem 29. und 30. Oktober auch in Madrid absolvieren.

Der November ist wieder reich befrachtet. Die neue Semaine de l’Immobilier et du Logement findet in Paris vom 2. bis 6. November 2026 statt. Le Salon RENT ist darin eingebettet vom 4. bis 5. November 2026.

Winterthur heisst zwischen dem 5. und 6. November 2026 die Gäste der Startup Nights willkommen.

An der fuckup night von Smino wird am 12. November 2026 über Misserfolg und die Lehren daraus berichtet.

In der Serie immoTable wird die 111. Ausgabe am 26. November 2026 in St. Gallen durchgeführt.

Das letzte Immobiliengespräch dieses Jahres findet wieder in Zürich am 2. Dezember 2026 statt.

Veranstaltungen 2027

Den nächsten Digital Real Estate Summit gibt es erst 2027 wieder.

Die IMMO27 findet vom 13. bis 14. Januar 2027 statt.

Am 1. Februar öffnen sich die Türen des Kunsthauses Zürich für das 26. Symposium der Group of Fifteen.

Beim Besuch der REM SWISS 2027 vom 2. und 3. März 2027 können die Französischkenntnisse aufgefrischt werden.

Französisch spricht man auch an der MIPIM. Vom 15.-19. März 2027 trifft sich die Branche wieder am Mittelmeer.

Hamburg ist vom 14. bis 15. April wieder Gastgeber des PropTech Summit und des Construction Summit.

Warum nicht Malta im Frühling? Vom 13. bis 14. Mai 2027 findet der EU-Startups Summit statt.

Die Flughafenregion Zürich lädt am 1. Juni 2027 zum nächsten ImmoSummit ein.

Am 7. Juni rückt Rotkreuz ins Zentrum mit der 2. Konferenz AI@RE.


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