newhome.ch verdient eine Chance

Veröffentlicht von proptechnews am

Im vergangen Jahr habe ich versucht, die Entwicklungen rund um newhome.ch zusammenzufassen. Mit diesem Artikel möchte ich die Serie (vorläufig) abrunden.

SVIT im Dilemma

In der Immobilia vom November 2019 geht Ivo Cathomen auf die Eigeninitiative der Immobilienwirtschaft ein. Im Kleingedruckten seines Artikels schreibt Cathomen, dass der SVIT Schweiz die Initiative aus der Mitte des eigenen Sektors begrüsse, sich aber aus verbandspolitischen Überlegungen neutral verhalte. Vielmehr wolle man im Sinne eines Informationsservices zugunsten der Mitglieder allen Anbietern in geeigneter Form eine Plattform bieten. Was die Mitgliederzeitschrift in der gleichen Ausgabe unter Beweis stellt. homegate.ch und immoscout.ch sind mit 1 1/2 Seiten (wohl bezahlte) Werbung präsent. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie viel Sponsoringgeldern von den beiden Immobilienmarktplätzen an den SVIT Schweiz und die regionalen Mitglieder-Organisationen flossen und immer noch fliessen. Sollten sich hier die beiden Platzhirsche zurücknehmen, käme das eine oder andere Budget wohl in Schieflage.

Zahlen sprechen (noch) gegen newhome.ch

Similarweb analysiert Website weltweit und erlaubt auch einen Vergleich unter Websites. Ich habe mir die Daten für newhome.ch, homegate.ch und immoscout.ch für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2019 aufbereiten lassen (zusätzlich mit immobilier.ch, dem Marktplatz der Westschweizer Immobilienfirmen). homegate.ch und immoscout.ch vereinen 86 % am gemessenen Traffic auf sich, wobei nur newhome.ch für die Beobachtungszeit einen Zuwachs hat. Die führenden Marktplätze verzeichnen über 8.5 Millionen Visits, newhome.ch liegt bei 2.8 Millionen. newhome.ch weist hingegen die grösste Nutzung über Mobile auf. Wichtig ist auch, wie die Besucher auf die Website kommen. „Direct“ bedeutet, dass der Besucher die URL direkt im Browser eingegeben hat. Hier zeigt sich, dass homegate.ch und immoscout.ch einen hohen Bekanntheitswert haben, ist deren Anteil „Direct“ im Vergleich zu newhome.ch viel höher. „Organic Search“ erklärt, wie ein Marktplatz über Suchmaschinen gefunden wird, ohne dass dafür bezahlt wurde. Hier schneidet immoscout.ch besser ab als homegate.ch.

Angebot ausbauen

Wenn newhome.ch „nur“ ein Marktplatz bleibt, kann es eng werden. Schafft newhome.ch aber den Wandel vom Portal zum Ecosystem, dann sieht es ganz anders aus. Ich habe ja in einem früheren Artikel zu verschiedenen Systeme aufgezeigt. Gerade das Konstrukt von Mobiliar und Ringier kann der Immobilienbranche aufzeigen, wohin die Reise geht. CEO Jean-Pierre Valenghi hat an der von mir besuchten Roadshow erklärt, dass er newhome.ch zum innovativsten, nutzerfreundlichsten und trafficstärksten Immobilienportal entwickeln wolle. Da wartet noch viel Arbeit auf ihn und sein Team.

Unwiderstehliches Angebot

Gemäss Prospekt für die künftigen Mitaktionäre verspricht newhome.ch eine langfristige Reduktion der Inseratekosten. Verglichen werden die Kosten für die Publikation von 10 Objekten auf den drei Marktplätzen (wobei auf die publizierten Preise abgestützt wird und nicht auf die fakturierten). Im ersten Jahr soll der Aktionär bereits eine Einsparung erzielen können. Im 2. Jahr sollen die Kosten weiter zurückgehen, weil der Aktionär entweder auf die Publikation auf homegate.ch oder immoscout.ch verzichten könnte. Ab dem 3. Jahr publiziert der Aktionär nur noch auf newhome.ch, die Kosten für die heutigen Marktleader sollten ganz wegfallen. Das schöne Bild aus dem Prospekt lässt sich nur realisieren, wenn newhome.ch die User auf die eigene Site bringen kann.

The Empire strikes back

Was machen homegate.ch und immoscout.ch, um auf die Initiative der Immobilienbranche zu reagieren? Sie werden sich wohl nicht widerstandslos die Butter vom Brot nehmen lassen. Kommt hinzu, dass die Mutterhäuser TX Group (früher Tamedia) und Ringier weiterhin auf die munter sprudelnden Gewinne ihrer Immobilienmarktplätze angewiesen sein werden. Finden die beiden Rivalen zusammen im Kampf gegen newhome.ch, so wie sie bei der führenden Stellenplattform jobs.ch zusammen den Markt beherrschen? Auf jeden Fall sind die Preise bereits in Bewegung geraten. So soll homegate.ch sich mit neuen Paketen sehr flexibel zeigen. Dass mit harten Bandagen gekämpft wird, zeigt das in der Immobilienbranche gestreute Gerücht, dass immoscout.ch Preiserhöhungen von bis zu 70 % planen soll. Ich habe Martin Waeber gefragt, was an diesen Aussagen richtig sei. Der CEO von immoscout.ch zeigte auf, dass sie die Dienstleistungen erweitert hätten und die neuen Pakete im Einzelfall auch teurer werden. So versucht offenbar jede Seite, mit Fake News die Stimmung anzuheizen.

Fazit

Die angestrebte Marktführerschaft von newhome.ch wird viel Geld kosten. newhome.ch muss in den Köpfen der User die anderen Marktplätze vertreiben, muss „top of mind“ werden. Das verlangt eine umfassende Marketingstrategie, welche nachhaltig mit Geld alimentiert werden muss. Entscheidend werden die Abwehrmassnahmen von homegate.ch und immoscout.ch sein. Beide Marktplätze haben dank ihrer Mutterhäuser Zugang zu Medien wie 20 Minuten oder Blick. Das Projekt des eigenen Immobilienportals kann gelingen, wenn genügend Geld vorhanden ist. Ich habe signalisiert, dass ich die 5’000 Franken für Aktien der Next Property AG aufwerfen würde. Quasi als „Spielgeld“.


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