PropTech’s als Teil von Ecosystemen

Veröffentlicht von proptechnews am

Oekosysteme sind in Aller Munde. Deshalb starte ich mit einem Artikel über die absehbaren Oekosysteme der drei Immobilienportale. Damit nehme ich den Ball vom letzten Jahr auf und erweitere meine Serie rund um Next Property und newhome.ch.

Der Begriff Ecosystem stammt eigentlich aus der Ökologie. 1993 hat James F. Moore in einem Artikel des Harvard Business Review erstmals darüber in einem wirtschaftlichen Umfeld geschrieben. Statt alleine gegen die Konkurrenz zu kämpfen, vernetzen sich Unternehmen gezielt in einem Ecosystem. Die Digitalisierung fördert die Entwicklung von autonomen Unternehmen hin zu Ecosystems. Unternehmen überwinden immer mehr die klassischen Branchengrenzen, indem sie sich in Ecosystems organisieren.

Als Next Property noch in den Anfängen war, habe ich die Verantwortlichen auf eine Schwäche des Projektes hingewiesen. Ein eigener Marktplatz der Immobilienbranche brächte nichts Neues, wäre einfach „more of the same“. Ich empfahl damals, weitergehende Dienstleistungen selber zu entwickeln oder diese von Dritten zu beziehen. Dabei dachte ich beispielsweise an den digitalen Bewirtschaftungsprozess wie in coozzy.ch/PropBase, flatfox.ch oder eMonitor anbieten. Der Vorschlag wurde begrüsst, aber die Realisierung auf später verschoben. Umso überraschter war ich dann, als bei der neuen Runde Roadshows die Verantwortlichen davon sprachen, newhome.ch zu einem umfassenden Ecosystem auszubauen.

So ist es sicher wissenswert, wo die drei Immobilienportale bezüglich Ecosystem heute stehen.

homegate.ch
Die ZKB übernahm 2001 den früheren immopool.ch und baute diesen zu homegate.ch um. Heute gehört homegate.ch mehrheitlich zum Medienkonzern Tamedia, der neu TX Group heissen wird. Von der früheren Diversifikationsstrategie ist heute bei homegate.ch nichts mehr zu sehen. Es gab eine Zeit, wo homegate.ch neben dem Online-Inserat auch Vermarktungstools anbot. Auch wurde der erneute Einstieg in den Bereich Software geprüft. Mit rentout.ch wurde ein digitaler Bewirtschaftungsprozess angeboten. Von all diesen Aktivitäten ist heute nichts mehr vorhanden. Aber auch innerhalb des Konzerns gibt es keine sichtbaren Ansätze eines Ecosystems, bei dem homegate.ch eine Rolle spielen könnte. Beteiligungen an Stellen- und Automarktplätzen oder Kleinanzeigenportalen machen den Hauptteil aus. Einzig zu den gemäss Tamedia auf der Website unter „Ventures“ aufgeführten Unternehmen Moneypark, Olmero, Renovero und Helpling besteht eine thematische Verwandschaft. homegate.ch ist nach meiner Einschätzung weit davon entfernt, Teil eines Ecosystems zu sein.

immoscout.ch
In einem Interview mit der Handelszeitung sagte Thomas Trachsler, COO, dass die Mobiliar in den Ecosystems Mieten, Kaufen, Wohnen und Dienstleistungen für KMU stark sein wolle. Was haben die Mobiliar und immoscout.ch miteinander zu tun? Viele wissen nicht, dass die Versicherung auch zu 50 % an immoscout.ch beteiligt ist. Die Mobiliar will mit dem Mieterportal Aroov den zukünftigen Dreh- und Angelpunkt im Ecosystem bieten. An diesem Portal ist auch Garaio REM beteiligt. Mit Klara, einem weiteren Startup im Mobiliar-Umfeld, sollen Lösungen wie standardisierte Versicherungen für Hausangestellte entwickelt werden. Über Swisscaution besteht eine weitere Verbindung zum Ecosystem Mieten, Kaufen, Wohnen. Die kürzliche Lancierung von FinanceScout24 passt ebenfalls ins Ecosystem, werden über diese Plattform doch Hypotheken, Versicherungen und Kleinkredite vermittelt. Aber auch rund um immoscout.ch entsteht ein kleines Ecosystem mit den Beteiligungen an Casasoft oder IAZI. Nach meiner Einschätzung hat die Mobiliar mit dem Ecosystem Mieten, Kaufen, Wohnen klare Vorstellungen und ist bei der Umsetzung schon weit. immoscout.ch ist ein fester Bestandteil dieses Ecosystems.

newhome.ch
Gemäss Jean-Pierre Valenghi, CEO newhome.ch, soll das klassische Immobilienportal zu einem umfassenden, personalisierbaren Immobilien-Ecosystem weiterentwickelt werden. Das Ecosystem soll auf alle Fragen rund um das Thema „Wohnen“ Antworten liefern. In den nächsten Jahren soll newhome.ch zum innovativsten, benutzerfreundlichsten, bekanntesten und meistbesuchten Immobilienportal der Schweiz werden. newhome.ch sieht zwar das Ziel Ecosystem, ist davon aber noch weit entfernt. Zudem ist die Positionierung unscharf. Viele der Aussagen von newhome.ch beziehen sich auf den Immobilienmarktplatz. Zum Ecosystem wollen die Verantwortlichen noch nichts sagen, auch aus Konkurrenzgründen. Nach meiner Einschätzung ist newhome.ch auf dem richtigen Weg, dieser ist aber sehr lang, aufwändig und wohl auch teuer.

Fazit
Alle sprechen von Ecosystems, jeder versteht etwas anderes darunter, wenig ist bis heute realisiert. Im Vergleich sehe ich heute immoscout.ch klar vorne. Sie haben sich zusammen mit der Mobiliar am weitesten Richtung Ecosystem entwickelt. Wenig zu hören und zu sehen ist von homegate.ch. Und newhome.ch muss nach den vielen Ankündigungen bald liefern. Und sicher dürfen wir comparis.ch nicht vergessen.

In meinem nächsten Artikel zum Thema „eigener Marktplatz“ der Immobilienbranche werde ich versuchen, ein Gesamtbild zu zeichnen.


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