Geld fliesst wie der Schweiss

Geld fliesst wie der Schweiss. Nestermind bekommt frisches Kapital. Realyze Ventures schliesst Closing ab. KI-Suche doch nicht so wichtig. Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.
Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.
Geld fliesst wie der Schweiss
Gemäss Swiss Venture Capital Report für das 1. Halbjahr 2026 wurden insgesamt CHF 1’245 Millionen in Startups investiert. Die Top 10 haben davon 2/3 eingestrichen, wobei die Top 3 jeweils über CHF 170 Millionen bekommen haben. In den ersten sechs Monaten wurden 123 Finanzierungsrunden gezählt. Konkret haben also 113 Runden (ohne Top 10) zwischen CHF 25 und CHF 0.1 Millionen oder im Durchschnitt CHF 3.5 Millionen erzielt. PropTechs sind keine explizit ausgewiesen im Report, eventuell fallen sie unter die Kategorie ICT. Eine ganze Seite im Report wird «female-led companies» gewidmet. Es wird bemängelt, dass nur ca. 7 % der Investitionen in Startups flossen, die von einer weiblichen CEO geführt würden. Für mich haben diese Aussagen keinen Mehrwert. Die weiblichen CEO’s werden als etwas Spezielles dargestellt, weshalb? Und müssen sich die männlichen CEO’s jetzt schlecht fühlen? Ich denke, dass allen Geschlechtern die Honigtöpfe der Investoren gleich offenstehen. Entscheidend ist doch der Case und das Team dahinter. Geld fliesst wie der Schweiss.
Nestermind bekommt frisches Kapital
Das Zürcher PropTech-Startup Nestermind hat gemäss Medienmitteilung eine Seed-Finanzierungsrunde im siebenstelligen Bereich abgeschlossen. Das Kapital stammt von strategischen Investoren, die tief in der Schweizer Immobilienbranche verankert sind – darunter mehrere der renommiertesten Immobilienunternehmen der Schweiz. Das frische Kapital fliesst in die Weiterentwicklung des Produkts sowie in den Ausbau des Teams. Herzliche Gratulation zu diesem Schritt. Nestermind fehlt es definitiv nicht an Selbstvertrauen. «Siebenstelliger Bereich» kann viel oder wenig heissen. «Renommierteste Immobilienunternehmen der Schweiz» wer versteckt sich konkret dahinter. Klare Aussagen würden noch mehr Vertrauen schaffen.
Realyze Ventures, gemäss eigenen Angaben eine der führenden sektorspezifischen Venture-Capital-Plattformen für die Transformation der Bau-, Immobilien- und Energiewirtschaft, hat ein weiteres Closing abgeschlossen und erweitert den Kreis seiner Investoren um zusätzliche führende Industriepartner und Family Offices. Realyze Ventures ist engagiert u.a. bei viboo, Optiml oder aedifion.
Geld fliesst wie der Schweiss.
PropTech Map Switzerland
In der Kategorie «Construction» ist neu das österreichische PropTech Sodex Innovations aufgeführt. Das Startup hat gerade eine Finanzierungsrunde über vier Millionen Euro abgeschlossen. Sodex Innovations entwickelte eine AI-gestützte Echtzeit-Vermessung und -Steuerung von Baustellen. Das PropTech hat bereits Kunden in der Schweiz gewonnen.
Künstliche Intelligenz
Apple verklagt OpenAI sowie zwei ehemalige Apple-Manager wegen des mutmasslichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Ex-Hardwarechef Tang Tan soll Mitarbeitende aufgefordert haben, interne Informationen und Bauteile zu Bewerbungsgesprächen mitzubringen, um die Entwicklung von KI-Hardware zu beschleunigen. OpenAI weist die Vorwürfe zurück. Der Rechtsstreit verschärft den Konflikt zwischen den früheren Partnern und könnte OpenAIs Hardwareprojekt mit Jony Ive sowie die geplanten Börsenpläne erheblich belasten, falls Apple vor Gericht Erfolg hat.

Wie leicht lassen wir uns täuschen. Welches der beiden Bilder ist von AI geschaffen worden? Die Auflösung ist am Schluss nach den Veranstaltungen zu finden.
Immobilienportale
Edmund Keith stellt die weit verbreitete Annahme infrage, dass grosse Sprachmodelle (LLMs) Immobilienportalen kurzfristig den Suchverkehr abnehmen werden. Zwar wird seit Jahren darüber diskutiert, ob Nutzer ihre Immobiliensuche künftig direkt über ChatGPT, Claude oder ähnliche Systeme durchführen, doch die bisherigen Zahlen sprechen dagegen. Der Anteil des Traffics, der von KI-Systemen auf grosse Immobilienportale gelangt, ist bislang gering. Die klassische Portalsuche bleibt daher vorerst der wichtigste Einstiegspunkt für Kauf- und Mietinteressenten (Online Marketplaces).

Nach Ansicht Edmund verlagert sich der eigentliche Wettbewerb jedoch von der Such- in die Entscheidungsphase („Consideration“). Immobilienportale investieren zunehmend in KI-gestützte Funktionen, die natürliche Fragen zu Objekten beantworten, Finanzierungsoptionen erläutern oder verschiedene Immobilien miteinander vergleichen. Ziel ist es, Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten und sie bis zur Kontaktaufnahme mit einem Makler zu begleiten. Hier sieht Edmund in seinem Artikel auf Online Marketplaces jedoch einen entscheidenden Nachteil der Portale. Deren Geschäftsmodell ist eng mit Maklern und Anzeigenkunden verbunden. Deshalb könnten Nutzer daran zweifeln, dass Empfehlungen ausschliesslich in ihrem eigenen Interesse erfolgen. Ein Portal wird beispielsweise kaum den Marktwert einer Immobilie kritisch hinterfragen oder von einem Inserat abraten, wenn dadurch potenzielle Einnahmen verloren gehen.
Vertrauen wird wichtiger
LLMs könnten dagegen als persönliche, unabhängige Berater wahrgenommen werden. Sie kennen idealerweise Budget, Prioritäten, Zeitplan und persönliche Präferenzen ihrer Nutzer und vertreten ausschliesslich deren Interessen. Gerade bei komplexen Entscheidungen, etwa der Abwägung zwischen Lage, Arbeitsweg, Finanzierung und Wohnqualität, könnte dieses Vertrauensverhältnis wichtiger werden als die eigentliche Immobiliensuche. Edmund folgert daher, dass der zukünftige Wettbewerb nicht um die Suche, sondern um das Vertrauen während der Kaufentscheidung geführt wird.

viboo arbeitet neu mit DPD Switzerland zusammen. Entstanden sei die Kooperation über das Venture Leaders Programm von Venturelab, welches viboo letztes Jahr mit Partnern vernetzt und sogar ins Silicon Valley geführt hat. Schön zu sehen, wie aus solchen Begegnungen echte Projekte wachsen. viboo bringt prädiktive Einzelraumregelung in das Büro der DPD Schweiz. Künftig wird das Gebäude mit der Technologie von viboo energieeffizienter und datengetriebener betrieben. Alles werde über die viboo.cloud digital gemanagt.
blackprint hat den PropTech Report H1/2026 für Deutschland veröffentlicht. Aktuell würden 1’568 aktive PropTechs gezählt (in der Schweiz 487 per Ende Juni 26). Bayern habe Berlin als stärkstes PropTech Bundesland überholt, wobei Berlin Top-Stadt geblieben sei. Sarah M. Schlesinger schreibt, dass es noch nie so viele aktive PropTechs und Neugründungen wie heute gab. Gleichzeitig hätte das Venture Capital den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen erreicht.
PropTech neu definiert
Der PropTech-Markt hat sich verändert – die Definition nach blackprint jetzt auch. Die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft werde heute von Dekarbonisierung, Energiewende, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz geprägt. Dadurch entstünden Geschäftsmodelle, die sich mit bisherigen Marktgrenzen nicht mehr vollständig erfassen liessen. Deshalb sei die PropTech-Definition des blackprint Instituts grundlegend weiterentwickelt worden. Künftig würden unter anderem gebäude- und liegenschaftsbezogene Energielösungen wie Mieterstrom, Speicher oder Submetering ausdrücklich als Teil des PropTech-Marktes berücksichtigt und zugleich klar von der klassischen Energiewirtschaft abgegrenzt. Damit bilde der Report die Innovationsentwicklung entlang des gesamten Immobilienlebenszyklus noch präziser und zukunftsorientierter ab.
Ausgewählte Veranstaltungen
Fehlt ein Anlass mit Bezug zu PropTech? Einfach melden an heinz.m.schwyter@schwyterdigital.ch
Die swiss startup association organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche auch für PropTechs interessant sind. Da es so viele Anlässe sind, hier der Link zur Website von ssa.
Am 26. August 2026 organisiert Csaba von Zalan wieder seine bestens bekannte Paprika ImmoGolf Gentlemen Challenge.
Einer meiner liebsten Investoren-Anlässe: Winti Ventures lädt zur fünften Runde am 9. September 2026.
Luzern ist am 24. September 2026 Austragungsort des 110. immoTable.
Im Trafo in Baden geht am 22. Oktober 2026 der Real Estate Award 2026 über die Bühne.
Der November ist wieder reich befrachtet. Die neue Semaine de l’Immobilier et du Logement findet in Paris vom 2. bis 6. November 2026 statt. Le Salon RENT ist darin eingebettet vom 4. bis 5. November 2026.
Winterthur heisst zwischen dem 5. und 6. November 2026 die Gäste der Startup Nights willkommen.
An der fuckup night von Smino wird am 12. November 2026 über Misserfolg und die Lehren daraus berichtet.
In der Serie immoTable wird die 111. Ausgabe am 26. November 2026 in St. Gallen durchgeführt.
Veranstaltungen 2027
Den nächsten Digital Real Estate Summit gibt es erst 2027 wieder.
Die IMMO27 findet vom 13. bis 14. Januar 2027 statt.
Am 1. Februar öffnen sich die Türen des Kunsthauses Zürich für das 26. Symposium der Group of Fifteen.
Beim Besuch der REM SWISS 2027 vom 2. und 3. März 2027 können die Französischkenntnisse aufgefrischt werden.
Französisch spricht man auch an der MIPIM. Vom 15.-19. März 2027 trifft sich die Branche wieder am Mittelmeer.
Hamburg ist vom 14. bis 15. April wieder Gastgeber des PropTech Summit und des Construction Summit.
Warum nicht Malta im Frühling? Vom 13. bis 14. Mai 2027 findet der EU-Startups Summit statt.
Die Flughafenregion Zürich lädt am 1. Juni 2027 zum nächsten ImmoSummit ein.
Am 7. Juni rückt Rotkreuz ins Zentrum mit der 2. Konferenz AI@RE.
0 Kommentare