Einhörner in der Schweiz

Einhörner in der Schweiz. PropTechs liefern noch vor der Sommerpause. Schweizer Startup Vectogate schafft Abhilfe. IP schlägt auf SMG ein. VR von newhome ohne Frauen. Scout24 will „agentisches Betriebssystem“ werden.
Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.
Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.
Einhörner in der Schweiz
Einhörner in der Schweiz. Keine Angst, die Sommerhitze hat keine Untiere geschaffen. Hingegen hat das Tech-Ökosystem in Europa und Israel mehr als 400 „Einhörner“ hervorgebracht, 13 davon kommen aus der Schweiz. Gemessen an der Bevölkerung ein respektables Resultat. Im Vergleich mit Israel liegt die Schweiz allerdings weit abgeschlagen. Aus über 400 «Einhörnern» wiederum sind 2’329 Startups der zweiten Generation hervorgegangen. Einhörner in der Schweiz.
In einem neuen Bericht, der in Zusammenarbeit mit Accel und Revelio Labs entstanden ist, hat sich dealroom.co mit den Zahlen zu den in Europa und Israel ansässigen „Einhörnern“ befasst, die sich zu regelrechten Gründerfabriken entwickelt haben. Die Studie unterstreicht, dass das Aufkommen der KI das Wachstumstempo von Start-ups drastisch beschleunigt hat. Von den 86 neuen Einhörnern, die ab 2023 in der Region entstanden seien, wären 20 % zwei Jahre alt oder jünger, heisst es in dem Bericht. Zuvor gehörten nur 5 % der Einhörner zu dieser Kategorie mit extrem schnellem Wachstum.

Crunchbase hat erhoben, dass Startups weltweit in den ersten sechs Monaten dieses Jahres über 500 Mrd. USD eingesammelt hätten. Ein neuer Rekordwert. Die grossen Profiteure seien KI-Firmen gewesen, insbesondere Entwickler von Foundation Models, Chip-Technologien und Rechenzentrumsinfrastruktur. Gleichzeitig konzentriere sich das Kapital immer stärker auf wenige Mega-Runden: Allein in den USA flossen bis April rund 80 % des Venture-Kapitals in Finanzierungen ab 500 Mio. USD für lediglich 29 Unternehmen.
Der Venture-Markt würde sich zunehmend zweiteilen. Einige wenige KI-Champions erhielten Milliarden bei absurd hohen Bewertungen. Klassische Early-Stage-Startups und kleinere Fonds würden um Beachtung und Geld buhlen. Was heisst dies für Gründer? Noch nie sei so viel Geld im Markt gewesen und gleichzeitig wäre es schwieriger, ausserhalb des KI-Hypes substanzielle Finanzierungen zu erhalten. Die entscheidende Frage laute deshalb nicht mehr, ob Kapital verfügbar sei, sondern wer überhaupt Zugang dazu bekomme. Der KI-Boom würde somit nicht nur einzelne Unternehmen verändern, sondern die Mechanik des globalen Venture-Capital-Marktes.
PropTech Map Switzerland
AssetOS hat vor der Sommerpause gute Nachrichten. Einmal konnte die Plattform um Matthias Erhart Implenia als weiteren Referenzkunden gewinnen. Dann erklären sie, wie Albin Kistler AG mit AssetOS die Datenerfassung automatisierte und Prozesse skalierte. Wie kann ein kleines Team ein stark wachsendes Geschäftsvolumen besser verkraften? Der Immobilienfonds erhält sehr viele Dossier mit vielfach unstrukturierten Daten. Mit der Lösung von AssetOS haben sie das liebste Tool von Unternehmungen abgelöst: Excel. Dazu hat das Team von Albin Kistler AG die Prozesse analysiert und diese mit AssetOS neu aufgesetzt. Heute werden die Liegenschaften automatisiert und strukturiert erfasst und sind so sofort für die weitere Nutzung verfügbar. Jan Schorno, Bereichsleiter Immobilien sagt, dass sie heute spürbar schneller und qualitativ besser arbeiteten. Die Datenerfassung hätte sich um rund 80 % reduziert, was eine inhaltlich klarere und konsistentere Erstanalyse ermögliche.

Die Immobiliensuche wird mit dem Lookmove-Suchassistenten deutlich intelligenter. Statt nur einzelne Inserate zu betrachten, analysiert das Tool den gesamten Markt und liefert fundierte Einblicke zu Preisen, Lage, Umfeld, Bildanalyse und Finanzierungsmöglichkeiten. So lassen sich Immobilien besser vergleichen, bewerten und einordnen. Alle Ergebnisse basieren auf verlässlichen Marktdaten und werden transparent erklärt. Aktuell ist der Suchassistent für Kaufobjekte verfügbar, die Suche nach Mietobjekten folgt in Kürze.

Was wäre, wenn dein ganzes Marketing in deinem CRM leben würde? Dies fragte sich Luca von nestermind. Ab sofort bietet dieses Maklertool das AI Marketing Studio. Auf der Basis von Bildern «verschönert» KI die Wohnung u.a. mittels virtuellem Staging. Spätestens bei der Besichtigung werden die Suchenden dann mit der Realität konfrontiert.
Künstliche Intelligenz
Varonis entdeckte in Google Dialogflow CX die Schwachstelle „Rogue Agent“, über die Angreifer mit einfachen Bearbeitungsrechten Schadcode in Chatbots einschleusen konnten. Dadurch waren Gesprächsverläufe, Sitzungsdaten und Phishing-Angriffe möglich. Google behob die Lücke vollständig im Juni; bekannte Angriffe gab es nicht. Der Vorfall zeigt, dass Unternehmens-KI vor allem durch restriktive Berechtigungen, isolierte Laufzeitumgebungen, transparente Protokolle und regelmäßige Kontrollen der Workflows und Code-Blocks abgesichert werden muss.
Hier könnte das Schweizer Startup Vectogate Abhilfe schaffen. Die zwei Gründer Alexander Schneider und Josua Boos haben die erste Full-Governance-Plattform für autonome KI-Agenten lanciert. Die Lösung ermöglicht Unternehmen, Zugriffsrechte zentral zu steuern, Sicherheits- und Compliance-Richtlinien durchzusetzen und jede Interaktion lückenlos zu protokollieren, über ein zentrales Dashboard. Gemäss Moneycab sei der Zeitpunkt kein Zufall. KI-Agenten würden zunehmend eigenständig Aufgaben übernehmen und dabei auf sensible Daten und Geschäftssysteme zugreifen, was eine neue Kontrollfrage aufwerfe. Der EU AI Act verlange zudem lückenlose Nachvollziehbarkeit solcher Systeme. Unternehmen aus dem DACH-Raum könnten ab sofort einen Early Access zur Private Beta von Vectocate beantragen.
OpenAI führt mit GPT-Live ein neues Sprachsystem für ChatGPT Voice ein, welches dank Full-Duplex-Technologie gleichzeitig zuhören und sprechen kann. Das Modell wird für Go-, Plus- und Pro-Nutzer zum Standard, während Gratisnutzer GPT-Live-1 mini erhalten. Es läuft auf iOS, Android und ChatGPT.com und wird später auch per API verfügbar sein. Die neue Sprachfunktion ermöglicht natürlichere Gespräche, Unterbrechungen, den Einsatz von Gedächtnis, Suche und visuellen Widgets sowie komplexere Anfragen. Dadurch eignet sie sich besser für Nachhilfe, Übersetzungen, Brainstorming oder Interviewtraining. Eine Herausforderung bleibt, unerwünschte Zwischenreaktionen der KI während längerer Gespräche zu vermeiden. Hier geht’s zum Video mit der charmanten Dame!

Wie leicht lassen wir uns täuschen. Welches der beiden Bilder ist von AI geschaffen worden? Die Auflösung ist am Schluss nach den Veranstaltungen zu finden.
Immobilienportale
Einmal mehr wird die Swiss Marketplace Group auf Inside Paradeplatz erwähnt. Dieses Mal geht es um das Angebot «MieterPlus». Wer dieses Produkt kauft, erhofft sich bei der Wohnungssuche einen Vorteil. So soll der Suchende einen Zeitvorsprung bei neuen Inseraten erhalten und die Bewerbung würde von homegate als «verifiziert» gekennzeichnet. Ich kann mit diesem Artikel auf IP wenig anfangen. Er ist für mich zu wenig tief recherchiert und dient nach meiner Meinung nur der Effekthascherei. Produkte wie «MieterPlus» sind nicht neu. Seit eh dreht sich die Kritik um den Mehrwert für die Suchenden. Diese Frage muss sich jeder Suchender selber beantworten. Statt im Artikel sog. Betroffene zu Wort kommen zu lassen, hätten Aussagen von Immobilienfirmen zur Akzeptanz von «MieterPlus» mehr Klarheit gebracht. Hat die Saure Gurken-Zeit bei den Medien schon begonnen?
Wo sind die Frauen?
Gemäss Medienmitteilung verstärkt Dominique von Matt den Verwaltungsrat von newhome. Er ersetzt den Holländer Jan Werkmann, welcher die Entwicklung von newhome in den letzten Jahren mitgeprägt hat. Digital-Unternehmer Laurent Decrue wird neuer Vizepräsident des Verwaltungsrates. Leider hat es newhome verpasst, den Verwaltungsrat zu verjüngen. Ganz unverständlich ist das Fehlen von Frauen im obersten Gremium. Sicher hätte es auch Frauen gehabt, welche die Marken- und Kommunikationsexpertise hätte einbringen können.
Scout24 will «agentisches Betriebssystem werden
Laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG) zählen nur sechs Prozent der Unternehmen zu den KI-Vorreitern – sie erzielen jedoch eine um neun Prozentpunkte höhere Gesamtkapitalrendite, profitieren von stärkerem Umsatzwachstum und höheren Margen und schaffen sogar mehr Arbeitsplätze. Gleichzeitig entwickelt sich die PropTech-Branche rasant: Unternehmen wie Scout24, Rightmove, CoStar, Zillow und Douglas Elliman setzen verstärkt auf KI-gestützte Plattformen und intelligente Assistenten, die Immobilienvermittlung, Suche und Kundenberatung grundlegend verändern. Die Berenberg Bank hat nach der Ankündigung von Scout24 deren Kursziel auf sehr optimistische 140 Euro (aktuell ca. 110 Euro) angehoben. Das Finanzinstitut sieht den deutschen Marktführer als Vorreiter der KI-Innovation.
Unerklärbarer Wertzuwachs
Europäische Marktplätze haben für Serie-A- und Private Equity-Investoren einige herausragende Exits hervorgebracht. Malcolm Myers von European Internet Ventures EIV hat die Gruppe der europäischen VC- (Serie A+) und PE-finanzierten Marktplätze analysiert, für die sowohl Einstiegs- als auch Exit-Daten vorlagen. Die daraus resultierenden 40 europäischen Exits, die zwischen 2014 und 2026 abgeschlossen wurden, sind in der folgenden Grafik dargestellt.

Die aussergewöhnlichen Ergebnisse mit dem 113- bzw. 78-fachen Wertzuwachs wurden in den Jahren 2014 und 2015 erzielt, zu einem Zeitpunkt, als sich diese Kategorien noch nicht bewährt hatten. Vergleichbare Einstiegsmöglichkeiten bieten sich heute bei KI-nativen Marktplätzen in Bereichen wie Personalvermittlung, Immobilienwirtschaft, professionelle Dienstleistungen sowie Agent-to-Agent-Ökosystemen, in denen KI-Agenten über eine vermittelnde Plattform zueinanderfinden und Transaktionen abwickeln. Viele dieser Marktplätze sind jedoch noch weit davon entfernt, die Liquidität von Plattformen wie Vinted oder Idealista zu erreichen.
EIV geht davon aus, dass das Marktplatzmodell auch im kommenden Jahrzehnt herausragende Renditen liefern wird – sowohl durch KI-native Newcomer als auch durch etablierte Anbieter, die sich schnell anpassen. Eine gewagte Aussage von Malcolm. Wir werden sehen.
From the Portal Wars to the War on Portals

Angesichts von Aktienkursen, die gegenüber ihren Höchstständen aus dem Jahr 2025 um 50 bis 80 Prozent gefallen sind, geht man gemeinhin davon aus, dass Immobilienportale durch „KI“ bedroht sind. Mike DelPrete glaubt jedoch, dass es sich um ein viel tiefgreifenderes Problem handelt, das auf einer Vielzahl von Bedrohungen für die Portale beruht: Gegenwehr seitens der Makler, Googles Einstieg in diesen Markt, eine mögliche Disintermediation durch KI sowie rechtliche Schritte. Und tatsächlich hat sich vieles davon über 20 Jahre hinweg entwickelt und hat seinen Ursprung in den Kundenbeziehungen sowie in ständigen Preiserhöhungen. Wenn Immobilienfirmen der Meinung sind, dass Immobilienportale überhöhte Preise verlangen, und dann damit beginnen, Angebote zurückzuhalten sowie Immobilienportale vor Gericht zu bringen – dann ist es wahrscheinlich an der Zeit, das Immobilienportale ihr Geschäftsmodell überdenken.
Wir bewegen uns weg von den „Portal-Kriegen“ hin zum „Krieg gegen die Portale“:
Ausgewählte Veranstaltungen
Fehlt ein Anlass mit Bezug zu PropTech? Einfach melden an heinz.m.schwyter@schwyterdigital.ch
Die swiss startup association organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche auch für PropTechs interessant sind. Da es so viele Anlässe sind, hier der Link zur Website von ssa.
Am 26. August 2026 organisiert Csaba von Zalan wieder seine bestens bekannte Paprika ImmoGolf Gentlemen Challenge.
Einer meiner liebsten Investoren-Anlässe: Winti Ventures lädt zur fünften Runde am 9. September 2026.
Luzern ist am 24. September 2026 Austragungsort des 110. immoTable.
Im Trafo in Baden geht am 22. Oktober 2026 der Real Estate Award 2026 über die Bühne.
Der November ist wieder reich befrachtet. Die neue Semaine de l’Immobilier et du Logement findet in Paris vom 2. bis 6. November 2026 statt. Le Salon RENT ist darin eingebettet vom 4. bis 5. November 2026.
Winterthur heisst zwischen dem 5. und 6. November 2026 die Gäste der Startup Nights willkommen.
An der fuckup night von Smino wird am 12. November 2026 über Misserfolg und die Lehren daraus berichtet.
In der Serie immoTable wird die 111. Ausgabe am 26. November 2026 in St. Gallen durchgeführt.
Veranstaltungen 2027
Den nächsten Digital Real Estate Summit gibt es erst 2027 wieder.
Die IMMO27 findet vom 13. bis 14. Januar 2027 statt.
Am 1. Februar öffnen sich die Türen des Kunsthauses Zürich für das 26. Symposium der Group of Fifteen.
Beim Besuch der REM SWISS 2027 vom 2. und 3. März 2027 können die Französischkenntnisse aufgefrischt werden.
Französisch spricht man auch an der MIPIM. Vom 15.-19. März 2027 trifft sich die Branche wieder am Mittelmeer.
Hamburg ist vom 14. bis 15. April wieder Gastgeber des PropTech Summit und des Construction Summit.
Warum nicht Malta im Frühling? Vom 13. bis 14. Mai 2027 findet der EU-Startups Summit statt.
Die Flughafenregion Zürich lädt am 1. Juni 2027 zum nächsten ImmoSummit ein.
Am 7. Juni rückt Rotkreuz ins Zentrum mit der 2. Konferenz AI@RE.
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