Neues Geschäftsmodell für Portale

Neues Geschäftsmodell für Portale. Erfolgreiches Symposium. PropTechs mit Sicherheitslücken. Litauen spannender Startup-Markt.
Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.
Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.
Neues Geschäftsmodell für Portale
Mike DelPrete schreibt in seinem kürzlichen Newsletter über «Daft’s Vendor-Paid Portal Advertising Case Study». Das irische Immobilienportal hat vor drei Jahren begonnen, sein Verrechnungsmodell behutsam umzustellen. Wie sieht die Lösung aus?
Hintergrund und Zielsetzung: Der irische Immobilienmarkt wird traditionell durch ein maklerfinanziertes Anzeigenmodell geprägt. Das Immobilienportal Daft verfolgt jedoch einen ungewöhnlichen Ansatz: den schrittweisen Übergang zu vendor-paid advertising, bei dem Immobilienverkäufer selbst für die Portalwerbung zahlen. Ein Modell, das in Ländern wie Australien oder Schweden bereits hohe Portalprofitabilität ermöglicht.

Das Modell: Daft führte vor rund drei Jahren ein hybrides Modell ein. Neben bestehenden Agenten-Abonnements wurde das Zusatzprodukt „Advantage Ads“ eingeführt. Dieses bietet drei klar strukturierte Stufen (Bronze, Silber, Gold), die Sichtbarkeit und Reichweite von Inseraten erhöhen. Die Kosten werden in den meisten Fällen direkt von den Verkäufern getragen – ohne Provision für die Makler.
Umsetzung und Erfolgsfaktoren: Der zentrale Erfolgsfaktor liegt im Beziehungsmanagement mit Maklern. Daft investierte massiv in persönliche Betreuung, baute das Account-Management aus und reagierte konsequent auf Feedback. Ziel war es, Vertrauen aufzubauen und Makler als aktive Vermittler des neuen Modells zu gewinnen.
Ergebnisse und Learnings: Inzwischen ist landesweit jedes vierte Inserat ein kostenpflichtiges Upgrade, überwiegend vendor-paid. Der durchschnittliche Umsatz pro Inserat stieg um rund 40 %. Die Fallstudie zeigt: Vendor-paid Advertising ist weniger ein Produkt- als ein Go-to-Market-Problem – und funktioniert nur mit starken lokalen Beziehungen.
Mein Ausblick für die Schweiz
Würden die Schweizer Immobilienportale die Kosten für die Inserate auch direkt dem Eigentümer verrechnen, würden sich viele Argumente für oder gegen einen Immobilienmarktplatz in Luft auflösen. Die Entscheidung, auf welchem Portal publiziert würde, läge beim Eigentümer und nicht mehr beim Intermediär, sprich Makler oder Bewirtschafter. Der Besteller, sprich Eigentümer, würde die effektiven Kosten für die Insertion sehen und der Intermediär, sprich Makler oder Bewirtschafter, würde keine Marge mehr für sich verrechnen können. Das ganze System würde transparenter. Und es ginge nicht mehr um «branchenfreundlich» oder «Abzocker». Aber warum sollte die Branche hier etwas ändern wollen.
Events
Symposium Group of Fifteen
Fortschritt statt Vorschriften, Fesseln lösen, Zukunft gestalten. Das Symposium war aus meiner Sicht eines der besten, welches die Group of Fifteen durchgeführt hat. Der grosse Saal im Neubau des Kunsthauses Zürich war voll.
Durch das Programm führte wie schon früher Rainer Maria Salzgeber. Dieses Jahr hat er mich modisch nicht überzeugt, das kann er besser. Der Moderator erwähnte in seiner Begrüssung, dass beispielsweise unser Nationalsport Jassen immer noch nach den gleichen Regeln ausgeübt werde. Auch Fussball startete mit nur 14 Regeln, mittlerweile wären es 17. Und wie sieht es bei der Immobilienwirtschaft aus?
Der staatliche Fussabdruck – Grösser als wir denken!
Einen ersten Höhepunkt bildete das Referat von Christoph A. Schaltegger. Er meinte, dass unser Staat Inneffizienzen von ca. 30 Milliarden Franken aufweisen würde. Die geplanten Rüstungsausgaben liessen sich problemlos ohne Steuererhöhungen finanzieren. Wenn dann der politische Willen vorhanden wäre. Der Referent zeigt auf, wie der Sozialstaat seit 1990 massiv aufgebläht wurde. Schaltegger ist ein erklärter Befürworter der Schuldenbremse. Diese würde funktionieren und ermögliche Investitionen in der Zukunft. Laut IWF könnte auch in der Schweiz beim Staat massiv Fett weggeschnitten werden. Stossend wäre der auch die Lohndifferenz zwischen Staat und Privatwirtschaft. Die Schere hätte sich hier um ca. 700 Millionen Franken geöffnet, zugunsten des Staates. Argentinien mag vor allem wegen des Motorsäge schwenkenden Staatspräsidenten in Erinnerung sein. Schaltegger erwähnte den Sturzenegger-Ansatz. Der Nachkomme eines Appenzeller Auswanderers leitet heute in Argentinien das Deregulierungsministerium. Wenn einem das Wasser weit über dem Hals steht, ist man eher für drastische Schritte bereit.
Fördert KI Investitionssicherheit im Chaos der Baugesetze?
Christian Kraft ging auf die bauliche (Un-)Ordnung ein. Die Baubewilligungen dauerten immer länger. Seit 2020 seien die Planungs- und Baukosten 20 bis 30 % gestiegen. All dies schlägt sich in der von Kraft gezeigten Beispielrechnung für eine Erstvermietung nieder: 16 % höhere Mieten wegen Verzögerungen.
Schaffen 10-Minuten-Nachbarschaften Mehrwerte? Dies wollte Sibylle Wälty wissen. Sie wies darauf hin, dass die Gemeinden ihre Bau- und Zonenordnungen ca. alle 15 Jahre überarbeiten müssten. Statt Sicherheit würde aber mit immer mehr Sonderfällen vermehrt Unsicherheit geschaffen. Wälty «verriss» die BZO 2028 der Stadt Zürich und forderte die anwesenden Immobilienfachleute auf, sich aktiv in den Prozess einzubringen, um Schlimmeres zu verhindern. Provokativ auch die Aussage von Wälty, dass die Stadtregierung von Zürich gar nicht an mehr Wohnraum interessiert sei. Für ihre «Klientel» würde es reichen. Sonst sollten die Leute halt in Wallisellen, Dübendorf oder Schlieren wohnen und dort die Infrastruktur beanspruchen.
Raum für Widerspruch
Wolfgang Müller warf einen Blick auf die rechtlichen Hürden rund ums Bauen. Die immer längeren Bewilligungsverfahren wären auch Einsprechern und anderen Projektverhinderer geschuldet. Müller plädierte dafür, dass Rekurs- und Einspracherecht zu reformieren. Und er verlangt Gebühren, welche den Einsprechern auferlegt werden sollten.
Paolo Di Stefano hätte nichts mit einem berühmten Mafioso zu tun, betonte Salzgeber bei der Vorstellung des letzten Referenten. Er hätte den Namen falsch gegoogelt. Was ein einziger Buchstabe ausmachen kann. Di Stefano begann seine Ausführungen mit Bildern aus Milano, wo ganze Quartiere herzlos aus dem Boden gestampft wurden. Seine Beispiele aus dem Portfolio der Swiss Life Asset Managers zeigten, dass sich sein Arbeitgeber der Rolle bewusst ist. Die Immobilienwirtschaft sei ein wichtiger Wirtschaftszweig, so Di Stefano. Allerdings würde zu wenig kommuniziert. Anders als der Bauernstand, der im Parlament massiv übervertreten. Aber der Bauernverband würde geschickt kommunizieren und so die Anliegen der Mitglieder durchbringen.
Immobilienbilder aus Sand
Künstler Urs Rudin zeichnete auf der Bühne live Immobilienthemen, indem er mit der Hand Sand aufs Papier streute. Auch das Porträt von Salzgeber war beeindruckend. Die Immobilienwirtschaft ist real, nicht auf Sand gebaut. Die Pause und der abschliessende Apéro boten Gelegenheit, sich in der Branche auszutauschen. Das nächste Symposium findet am 1.2.2027 statt.
Innovationsfrühstück Designraum
Wenn immer möglich, vermeide ich Termine am frühen Morgen. Eine Ausnahme ist das Innovationsfrühstück von Designraum. Dieses findet in der Regel in den Räumlichkeiten in Winterthur statt, wobei sie die Gäste auch schon in Zürich empfingen oder am 21. Mai in Bern begrüssen werden. Das Team von Designraum schafft es immer wieder, spannende technische Entwicklungen zu präsentieren. Eindrücklich finde ich die Lösung, wo aus einem simplen Grundriss ein begehbares 3D-Modell entsteht. Hier darf die Immobilienbranche gespannt sein. Das Innovationsfrühstück wurde abgerundet durch eine Präsentation von hut.ch über «digitale Immobilienvermarktung 2026 – und was ChatGPT und Co damit zu tun haben».
Investments
Medley Ventures, der von den Gründern von Too Good To Go unterstützte Unternehmerfonds, ist während der Pre-Series-A-Finanzierungsrunde als Investor bei Oxara eingestiegen. Die Mittel werden es Oxara ermöglichen, die Produktentwicklung, Zertifizierungsprozesse und Industriepartnerschaften zu beschleunigen, was zu einem breiteren Einsatz in der Schweiz und auf internationalen Baumärkten führen wird.
Es lohnt sich, über den Tellerrand zu schauen. dealroom.co hat im kürzlich publizierten Newsletter die osteuropäischen Staaten, im besonderen Litauen, angeschaut. Auffallend ist das seit längerem andauernde starke Wachstum des litauischen Tech Ökosystems. Im Vergleich mit den anderen Märkten in der Region hat sich Litauen gegenüber 2020 um drei Plätze verbessert, gemessen am Entreprise Value EV. Wer mehr über die Situation in Litauen wissen möchte, findet hier den Report.
PropTech Map Switzerland
Nachdem Technis die Übernahme von E-NOO ankündigte, ist es mehr als recht, dass Technis nun auch auf der PropTech Map Switzerland aufgeführt ist (Smart Building).
Scandens sucht Testerinnen und Tester für ein neues Angebot, welches sie «Baupotenzial beim Ankauf» nennen. Deshalb suchen sie Personen aus den Bereichen Transaktionen, Portfolio- oder Asset Management, welche zusammen in einer Pilotgruppe das Produkt entwickeln. Interessiert? Dann unbedingt Dominik Bucher von Scandens kontaktieren!
Sicherheitsvorfälle in PropTech-Plattformen
Der Artikel „Proptech-Datenpannen gefährden Millionen Mieter und Vermieter“ von BornCity berichtet über zwei schwere Sicherheitslücken in digitalen Immobilienplattformen. Diese Vorfälle zeigen grundlegende Schwachstellen, die persönliche und finanzielle Daten von Millionen Nutzern offenlegen können.
Australien: Offene Cloud-Links: In Australien waren Dokumente wie Mietverträge, Ausweise und Gehaltsnachweise über unsichere Cloud-Links zugänglich – ohne Anmeldung oder Schutzmechanismen. Angreifer konnten so sensible Daten einsehen oder weiterverbreiten.
Frankreich: Mega-Leak im Darknet: Ende Januar 2026 wurde im Darknet eine rund 500 GB große Datenbank mit über 1,1 Millionen Dateien aus dem französischen Immobiliensektor angeboten. Enthalten sind vertragliche und persönliche Informationen zahlreicher Eigentümer, Mieter und Dienstleister.
Gefahren und Ausblick
Experten warnen vor Identitätsdiebstahl, Betrug und Manipulationen wie BEC-Angriffen. Die PropTech-Branche gilt zunehmend als attraktives Ziel für Cyberkriminalität, weshalb Sicherheit „von Anfang an“ in der Entwicklung verankert werden sollte.
Künstliche Intelligenz
Wir sind uns ja einiges gewohnt von Elon Musk. Ist die Übernahme von xAI durch SpaceX nun eine visionäre Entscheidung oder einfach ein Verschleiern des Zustandes der Firmen? Schliesslich verbrennt xAI jeden Monat ca. 1 Milliarde Dollar, während SpaceX im gleichen Zeitraum 8 Milliarden Dollar Gewinn macht. Es ist auf jeden Fall eine gigantische Lösung, wird doch das neue Konstrukt mit 1’250 Milliarden Dollar bewertet. Musk spricht davon, dass eine Million Satelliten dank SpaceX ins Orbit geschossen werden sollen, um dort Rechenzentren zu bauen. Diese sollen Rechenleistung für Künstliche Intelligenz generieren. Ein kühner Gedanke!
Der Artikel von Futurism beschreibt, wie Foundation-AI-Firmen trotz Investitionen von 80 Milliarden Dollar 2025 weiterhin keine Gewinne erzielen und eher Visionen als Geschäftsmodelle präsentieren. TechCrunch-Redakteur Russell Brandom bewertet sie auf einer Fünf-Stufen-Skala nach „Geld-verdienen-Wollen“ und nennt Beispiele wie humans&, Safe Superintelligence und Thinking Machines Lab, die teils Milliardenbewertungen ohne klare Produkte oder stabile Strukturen aufweisen. Eines ist sicher: Wenn man Vertrauen in Flaschen abfüllen und verkaufen könnte, würden diese Unternehmen vom ersten Tag an Gewinne erzielen.
Wie leicht lassen wir uns täuschen. Welches der beiden Bilder ist von AI geschaffen worden?


In Deutschland kommt es zu einem grossen Zusammenschluss, welcher die PropTech-Szene prägen wird. blackprint, der nationale Innovations-Hub der Bau- und Immobilienwirtschaft, schliesst sich mit dem KI-Startup FUTU-RE zusammen unter dem Dach einer neuen Holding zusammen. Leider kennen wir in der Schweiz kein solches Powerhouse. Es wäre zu begrüssen, wenn sich die wichtigsten Akteure zusammenrauften und etwas wirklich Grosses für die PropTechs in der Schweiz schafften.
Ausgewählte Veranstaltungen
Die Schweiz hat vom 10.-12. Februar 2026 einen Pavillon an der E-World Energy & Water in Essen.
Raus in den Frühling von Cannes. Dort gibt es die nächste MIPIM vom 9.-13. März 2026.
St. Gallen ist vom 19.-20. März 2026 mit dem START Summit Zentrum der Startups.
Und von der Ostschweiz geht es in die Westschweiz an die REM Suisse, welche vom 24.-26. März 2026 stattfindet.
Der kleine, aber feine Anlass, wo sich Investoren und Startups treffen, findet in Winterthur statt. Winti Ventures lädt am 15. April 2026 zur 4. Durchführung ein.
Im April lockt der Proptech Summit die Gäste vom 22. bis 23. April 2026 nach Hamburg.
Den Global Real Estate Run kann man vom 23. bis 24. April 2026 auch in Hamburg während des Proptech Summits absolvieren. Sonst einfach dort, wo es gerade passt.
Wer es weniger sportlich oder näher liebt, geht am 23. April 2026 an den 108. immoTable Ticino.
Malta im Mai muss sehr schön sein. Neben der Insel kann vom 7.-8. Mai 2026 der EU-Startups Summit entdeckt werden.
Der 109. immoTable findet am 4. Juni 2026 in St. Gallen statt.
Die REAL Estate Arena beherbergt die Branche vom 10. bis 11. Juni 2026 im Messegelände Hannover.
Am 15.-17. Juni 2026 gastiert die EXPO REAL Asia Pacific in Singapur.
Die swiss startup association organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche auch für PropTechs interessant sind. Da es so viele Anlässe sind, hier der Link zur Website von ssa.
Veranstaltungen 2. Hälfte 2026
Luzern ist am 24. September 2026 Austragungsort des 110. immoTable.
Im Trafo in Baden geht am 22. Oktober 2026 der Real Estate Award 2026 über die Bühne.
Der November ist wieder reich befrachtet. Le Salon RENT findet in Paris vom 4. bis 5. November 2026 statt.
Winterthur heisst zwischen dem 5. und 6. November 2026 die Gäste der Startup Nights willkommen.
In der Serie immoTable wird die 111. Ausgabe am 26. November 2026im Limmattal durchgeführt.
Veranstaltungen 2027
Nach der ersten erfolgreichen Durchführung in der Halle 550 findet die IMMO27 vom 13. bis 14. Januar 2027 statt.
Den nächsten Digital Real Estate Summit gibt es erst 2027 wieder.
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