Warum keine echten Einhörner?

Warum keine echten Einhörner? PropTech war einfach zu früh. KI lässt Marktplätze leiden. Roboter revolutionieren Installation von Solarpanels. Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.
Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern von proptechnews.ch persönliches Wohlergehen und Zuversicht im noch jungen Jahr 2026.
Warum keine echten Einhörner?
Alex Galt stellte sich diese Frage und erklärte, warum sich das bald ändern würde. Zunächst definierte er einmal „echtes Einhorn“: Dabei handelt es sich nach Alex nicht um ein Unternehmen mit einem Wert von über 1 Milliarde US-Dollar, sondern um eines, welches eine 10-fache Rendite auf das investierte Kapital erzielt und dessen Wert sich wie bei Stripe, Snowflake oder OpenAI vervielfacht. Nach dieser Definition hat das Segment PropTech bisher fast keine hervorgebracht.

Die Zahlen sprechen für sich. Seit 2010 wurden weltweit über 150 Milliarden Dollar in PropTech investiert. Hunderte von Startups, Dutzende von „Einhörnern auf dem Papier”. Diese Vorzeigeunternehmen steigerten ihren Umsatz und ihre Mitarbeiterzahl, nicht ihre Intelligenz oder ihre Margen. Sagt Alex. Warum keine echten Einhörner?
Warum PropTech hinter den Erwartungen zurückblieb?
1) Tools statt Infrastruktur
Die meisten PropTech-Produkte waren CRMs, Marktplätze, Dashboards, AVMs (Automated Valuation Models) oder Listing Layers. Nützlich – aber ersetzbar und nicht komplementär.
2) Fragmentierte, lokale Märkte
Immobilien sind hyperlokal: Gesetze, Daten, Sprache, Kultur, Preisgestaltung. Software lässt sich nicht verallgemeinern. Jedes neue Land bedeutet ein neues Start-up.
3) Datenabhängigkeitsfalle
Alte PropTechs benötigten perfekte, saubere, lizenzierte Daten, um zu funktionieren. Die Realität sieht aber anders aus: Immobiliendaten sind unvollständig, verzögert, politisch und oft falsch.
4) Keine Netzwerkeffekte
Marktplätze kämpften gegen etablierte Unternehmen mit schlechterer Wirtschaftlichkeit. CRMs verkauften Plätze, keine Ergebnisse. AVMs funktionierten in 10–20 % der Märkte – und scheiterten genau dort, wo es auf Geld ankam.
5) Menschen behielten die Hebelwirkung
Die Einnahmen skalierten linear mit Maklern, Analysten, Agenten und Betriebsteams. Das ist ein als Technologie getarnter Dienstleistungsmultiplikator.
Warum sich das jetzt mit KI ändert?
Die Einschränkung lag nie in der Nachfrage, sondern in der Intelligenz. Neue Technologie ändert nun das Spiel komplett. So kann KI jetzt Vermögenswerte mit unvollständigen Daten bewerten, Risiken ohne lokale AVMs versichern, Projekte durchgängig analysieren (Grundstücke, Flächennutzung, Vergleichswerte, Cashflows, Stresstests) sowie länder-, sprach- und anlageklassenübergreifend arbeiten. Dadurch wird PropTech von einem Werkzeug zu einem Betriebssystem. Warum keine echten Einhörner?
Die wahre Einhorn-Formel für PropTech
Die Empfehlungen von Alex, um den „Fluch zu brechen“:
- Global statt lokal arbeiten
- Sich mit jedem Markt verbessern, statt neu anzufangen
- Entscheidungen verkaufen, nicht Dashboards
- Intelligenz bündeln, nicht Personal
Das Fazit von Alex: PropTech ist nicht gescheitert – es war einfach zu früh.
Das erste echte PropTech-Einhorn wird nicht wie ein Marktplatz oder ein CRM aussehen. Es wird wie eine KI-Ebene aussehen, die den gesamten Immobilienbereich steuert. Die Frage ist nicht, warum es keine Einhörner gab. Die Frage ist: Wer baut jetzt das erste echte Einhorn?
KI lässt Marktplätze „leiden“
Seit Monaten schreibe ich über den Einfluss von KI auf die Suche z.B. nach Immobilien. Ich habe mir eingeschriebene Briefe von renommierten Anwaltskanzleien an der Zürcher Bahnhofstrasse eingehandelt. Inzwischen mehren sich weltweit die Meinungen von angesehenen Fachleuten. KI lässt Marktplätze „leiden“.
Eine weitere Wortmeldung kommt von Mall McCallion. Er ist ein kritischer Betrachter der Immobilienmarktplätze. In einem kürzlichen Linkedin-Post schreibt er, dass bis 2030 Makler 3’000 £ pro Monat und Filiale zahlen könnten. Nur für das „Privileg“, auf einem Portal gelistet zu sein. Er hat auch die Rightmove-Gebühren der letzten fast zwei Jahrzehnte mit der Inflation verglichen. Mal meint, wenn die Gebühren die Inflation überstiegen, dann wäre dies keine Partnerschaft. Vielmehr bezahlten Makler eine «Erfolgssteuer» auf ihren hart erarbeiteten Aufträgen. Schliesslich schreibt er, 2026 sei das Jahr, in dem sich der Einfluss zugunsten der Makler zu verschieben beginne.

Investments
Das Zürcher PropTech-Unternehmen viboo, ein Spin-off der Empa, erhält zusätzliches Kapital vom belgischen Rise PropTech Fund. Rise PropTech ist ein europäischer Fonds, der sich auf Prop- und ConTech Startups spezialisiert hat. Das Team mit Sitz in Belgien bringt tiefes Branchenwissen mit und unterstützt Start-ups nicht nur mit Kapital, sondern auch bei der Skalierung und beim Aufbau relevanter Kontakte in die Immobilienbranche.
Künstliche Intelligenz
Roboter sind wirklich gut darin, Solarmodule zu installieren. Fast schon verdächtig gut. Chinesische Solarparks verwenden mittlerweile Roboterarme für die Installation von Modulen – schneller, sicherer und ohne Kaffeepausen. Unterdessen hat das japanische Start-up GITAI gerade Bauroboter getestet, die Module installieren und unter Aussenbedingungen schweißen können.
Was auffallend ist: Die Systeme passen sich dank flexibler Positionierung an unebenes Gelände an, sodass sie keine vollkommen ebene Fläche benötigen. Das ist enorm wichtig für die Skalierung erneuerbarer Energien an Orten, die keine Parkplätze sind.
Die Reddit-Robotik-Community ist hin- und hergerissen zwischen „Das ist extrem praktisch“ und „Moment mal, das sind doch dieselben Roboter, von denen wir vor drei Jahren gesagt haben, dass sie im Freien niemals funktionieren würden“. Der Fortschritt schreitet schnell voran. Schliesslich geht es um einen 500-Milliarden-Dollar-Solarmarkt !
Hier geht’s zum Video, der einen solchen Roboter im Einsatz zeigt.
Wie leicht lassen wir uns täuschen. Welches der beiden Bilder ist von AI geschaffen worden?

Ausgewählte Veranstaltungen
2026 startet mit der IMMO26 vom 14.-15. Januar 2026 in der Halle 550 in Oerlikon statt.
Ebenfalls vom 14.-15. Januar 2026 findet der M01N HackathonM01N Startup Camp im ENTRA in Rapperswil statt. Das Preisgeld für Platz 1 beträgt 5’000 Franken.
Die Swissbau bietet Startups eine Bühne vom 20.-23. Januar 2026.
Am 2. Februar 2026 lädt die Group of Fifteen zum jährlichen Symposium im Kunsthaus Zürich. Im Jubiläumsjahr geht es um «Fortschritt statt Vorschrift – Fesseln lösen, Zukunft gestalten».
Die Schweiz hat vom 10.-12. Februar 2026 einen Pavillon an der E-World Energy & Water in Essen.
Raus in den Frühling von Cannes. Dort gibt es die nächste MIPIM vom 9.-13. März 2026.
Der kleine, aber feine Anlass, wo sich Investoren und Startups treffen, findet in Winterthur statt. Winti Ventures lädt am 15. April 2026 zur 4. Durchführung ein.
Im April lockt der Proptech Summit die Gäste vom 22. bis 23. April 2026 nach Hamburg.
Den Global Real Estate Run kann man vom 23. bis 24. April 2026 auch in Hamburg während des Proptech Summits absolvieren. Sonst einfach dort, wo es gerade passt.
Wer es weniger sportlich oder näher liebt, geht am 23. April 2026 an den 108. immoTable Ticino.
Malta im Mai muss sehr schön sein. Neben der Insel kann vom 7.-8. Mai 2026 der EU-Startups Summit entdeckt werden.
Der 109. immoTable findet am 4. Juni 2026 in St. Gallen statt.
Die REAL Estate Arena beherbergt die Branche vom 10. bis 11. Juni 2026 im Messegelände Hannover.
Am 15.-17. Juni 2026 gastiert die EXPO REAL Asia Pacific in Singapur.
Die swiss startup association organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche auch für PropTechs interessant sind. Da es so viele Anlässe sind, hier der Link zur Website von ssa.
Veranstaltungen 2. Hälfte 2026
Luzern ist am 24. September 2026 Austragungsort des 110. immoTable.
Im Trafo in Baden geht am 22. Oktober 2026 der Real Estate Award 2026 über die Bühne.
Der November ist wieder reich befrachtet. Le Salon RENT findet in Paris vom 4. bis 5. November 2026 statt.
Winterthur heisst zwischen dem 5. und 6. November 2026 die Gäste der Startup Nights willkommen.
In der Serie immoTable wird die 111. Ausgabe am 26. November 2026im Limmattal durchgeführt.
Der nächste Digital Real Estate Summit findet erst 2027 statt.
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