Immobilienmarketing und Blockchain waren die beiden Themen am CAS Digital Real Estate der HWZ in Zürich. Beides gilt nach meiner Einschätzung als bahnbrechende Entwicklung . Es ist faszinierend, was wir heute mit der Technologie alles machen können. Nach diesem intensiven Tag halte ich es mit dem italienischen Kernphysiker Enrico Fermi: I’m still confused, but on a higher level!

Immobilienmarketing wandelt sich

Bruno Kurz, CEO immoveris ag, stellte die provokative Frage nach der Revolution in der Vermarktung von Immobilien. Ein solcher Titel weckt Erwartungen. Immobilien-marketing ist eine junge Disziplin. Roman Bolliger und Beny Ruhstaller haben mit ihrem Standardwerk “Immobilien-Marketing – Mehrwert für Liegenschaften” das Thema erst richtig bearbeitet. Preis und Produkt wird abgelöst von Customer Centricity oder Customer Experience. Aber was nützen die tollsten Konzepte, wenn das Produkt oder der Preis nicht stimmt. Bruno Kurz stellte das Vermarktungskonzept von “Vulcano” vor, einem grösseren Bauvorhaben im Westen von Zürich. 297 Wohnungen werden angeboten, viele sind schon vermietet. Probleme hätten sie mit den 31/2 Zimmer-Wohnungen, meinte Kurz. Sie wären zu teuer für Singles, aber zu klein für Paare.

Ein weiterer Schwerpunkt legte Bruno Kurz auf die neue Datenschutzrichtlinie. Das Sammeln von Daten für spätere Marketingaktivitäten ist nur noch erschwert möglich. Opt-in und Opt-out müssen für den Empfänger von Mailings klar ersichtlich sein. Auch wenn die europäische Richtlinie im Moment nur für Schweizer Firmen gilt mit einer internationalen Geschäftstätigkeit: Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass wir diese strenge Norm auch in unsere Gesetzgebung übernehmen.

Blockchain treibt den Wandel

Der digitale Immobilienfachmann musste neben “Lage, Lage, Lage” und “Team, Team, Team” neu auch die vier B’s beherrschen: Blockchain Business Building Blocks. Frank Bolten, Managing Partner chainstep.com, beschäftigt sich seit 2015 mit Blockchain. Diese Technologie basiert auf einem Trusted System. Vertrauen ist wichtig und es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Blockchain 2008 während der grössten Finanzkrise dieses Jahrhunderts entstand. Hier mein Versuch, mich Blockchain zu nähern.

Es gibt Aussagen, wonach Blockchain gleich bedeutend sein wird für die Menschheit wie die Erfindung des Buchdrucks, der Elektrizität, des Radios und des Internets. Blockchain muss ich mir als dezentrales Netzwerk vorstellen, über dieses laufen stark verschlüsselte Transaktionen. Blockchain ist eigentlich eine riesige, dezentrale, vernetzte Datenbank.

Kaufe ich ein Haus, wird ein Kaufvertrag erstellt, dieser wird vom Notar bestätigt und schliesslich wird die Transaktion im Grundbuch eingetragen. Das Geld fliesst zwischen Käufer und Verkäufer. In der Schweiz vertrauen wir diesem System und ich kann mit dem Vertrag und mit dem Eintrag im Grundbuch beweisen, dass ich wirklich der Eigentümer bin.

Das System der Blockchain funktioniert anders. Ich unterschreibe den Kaufvertrag vor vielen Zeugen, welche festhalten, dass ich am Tag ??.??.?? um xx.xx dem Verkäufer das Haus abkaufe. Mit einem Algorithmus wird diese Transaktion nun verschlüsselt. Haben mehr als die Hälfte der anwesenden Zeugen die Transaktion festgehalten, verschlüsselt und an den nächsten Zeugen weitergegeben, dann wird die Transaktion gültig. 10 Jahre später kommt der Nachbar und behauptet, das Haus gehöre ihm. Ich habe aber eine grosse Anzahl von Zeugen, die damals die Transaktion festgehalten und bestätigt haben. Mein Nachbar müsste nun mindestens die Hälfte meiner damaligen Zeugen gleichzeitig dazu motivieren, seinen Anspruch zu bestätigen. Meine vielen Zeugen sind aber nicht mehr zusammen im gleichen Raum, vielmehr sind sie über den ganzen Globus verstreut. Eine sehr schwierige Aufgabe, müsste doch mein Nachbar gleichzeitig die dezentralen, hoch verschlüsselten Daten verändern.

Warum heisst es dann Blockchain?

Stellen wir uns eine Kette vor. Jedes Glied oder Block ist eine Transaktion. Jedes Glied trägt die verschlüsselten und gespeicherten Daten und übernimmt vom vorherigen Glied diese Daten und gibt sie ans nächste Glied weiter.

Grundbuch als Anwendung für Blockchain

Die Immobilienwirtschaft bietet unzählige Chancen für die Blockchain. Ich denke beispielsweise ans Grundbuch. In der Schweiz versucht Terravis das elektronische Grundbuch umzusetzen. Heute sind 14 Kantone aufgeschaltet. Der elektronische Geschäftsverkehr Terravis eGVT ermöglicht die Abwicklung von Hypothekar-, Grundstück- und Handelsregister-Geschäften über eine einzige Schnittstelle. Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir sicher gut aufgestellt, gehören aber nicht zu den digitalen Vorreitern.

Blockchain und Kryptowährung

Bitcoin, eine der Kryptowährungen, wird im gleichen Atemzug wie Blockchain genannt. Allerdings ist Bitcoin eine solche künstliche Währung, welche auf der Blockchain-Technologie aufsetzt. Überweisungen von Bitcoins erfolgen ausserhalb des klassischen Bankennetzes. Mein Kauf von Bitcoins wird auf der Blockchain gespeichert. Statt eines Bankkontos habe ich ein sog. Wallet. Überweisungen erfolgen somit zwischen Wallet und Wallet. Die grosse Skepsis gegenüber Blockchain basiert sicher auf den Kryptowährungen. Denken wir nur an die spekulativen Wertsteigerungen zu Beginn dieses Jahres.

Blockchain verdrängt Intermediäre

Die Anwendungen im Immobilienbereich entstehen erst spärlich. Blockchain hat das Potenzial, diese Branche zu verändern. Auch in der Schweiz sind erste Schritte zu beobachten. Ich denke ans Crypto Valley rund zum Zug. Dort ist auch elea.io zu Hause. Dieses Startup will auf Blockchain-Basis eine digitale DNA von Immobilien erstellen.

Die Blockchain-Spezialisten dieser Welt werden vielleicht den Kopf schütteln wegen meines laienhaften Versuchs, Blockchain zu beschreiben. Bei diesem Thema halte ich es definitiv mit dem Italiener Fermi!