PropTech News hat sich mit dem CEO von Privera getroffen und Dieter Sommer hat unsere Fragen zu Digitalisierung und PropTech beantwortet.

(PropTech News) Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für Immobilienfirmen, wenn es um Digitalisierung geht?

(Sommer) Die grösste Herausforderung liegt darin, dass die Digitalisierung in einer ersten Phase vor allem kostet und der Return auf die Investitionen deutlich nachgelagert kommt. Auch die Heterogenität unserer Kunden und Prozesse stellt eine grosse Herausforderung für End-to-End Lösungen dar. Es braucht Geduld und die Bereitschaft zur „Knochenarbeit“, denn der „Teufel liegt im Detail“.

Was hat PRIVERA konkret umgesetzt und was ist in den nächsten 18 Monaten geplant?

PRIVERA hat als erste grosse Immobiliendienstleistern zusammen mit Allthings ein Mieterportal lanciert. Im Moment sind wir in der Weiterentwicklung des digitalen On- und Offboarding für Mieter. Auch hier sind wir in der erweiterten Pilotphase. Intern sind wir in der Umsetzung des Projektes ECM (Enterprise Content Management). Alle Mieter- , Eigentümer- und Liegenschaftendossiers sowie der Posteingang werden Digital. Dies bedeutet u.a. ein Initialscanning von mehreren Millionen Seiten Papier. Zudem sind wir in der Umsetzung mehrerer kleinerer Digitalisierung Projekte. Wir haben eine prall gefüllte Projektpipeline. In den kommenden 18 Monaten und darüber hinaus wird einiges gehen.

Alle sprechen von Daten. Beschäftigt PRIVERA Spezialisten, welche mit den täglich anfallenden grossen Datenmengen arbeiten können?

Wir haben tatsächlich ein entsprechendes Team bei uns inhouse auf- und ausgebaut. Diese Spezialisten kümmern sich um den entsprechenden Umgang mit Daten, Themen aus dem Bereich Business Intelligence sowie um alle Fragen rund um das Thema Schnittstellen-management.

Sind daraus konkrete Projekte oder Umsetzungen entstanden?

Wir haben beispielsweise basierend auf unserem ERP System eine eigene Reportingumgebung aufgebaut, welche eine Vielzahl an automatisierten Reportings für den internen und externen Gebrauch generiert. Damit schaffen wir Transparenz und Qualität und können uns zudem auf die wesentlichen Treiber im Geschäft konzentrieren.

Glauben Sie, dass die Verwaltungsräte der grossen Immobilienfirmen über eine digitale Kompetenz verfügen?

Das ist sicher unterschiedlich. Ich kann mir aber hier kein Urteil erlauben, weil mir schlicht die Übersicht fehlt.

Wer ist innerhalb des Verwaltungsrates der PRIVERA Sparingpartner, wenn es um Digitalisierung geht?

Wir sind in der komfortablen Lage, dass der gesamte VR ein hohes Engagement im Bereich der Digitalisierung aufweist. Die Themen und Projekte werden intensiv diskutiert und es ist auch auf oberster Stufe ein klares Bekenntnis zum eingeschlagenen Weg vorhanden.

Digitalisierungsprojekte stehen und fallen mit der Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Was unternimmt PRIVERA konkret, um die Mitarbeitenden ins Boot zu holen?

Ziel unserer Projekte ist es, immer auch einen Mehrwert für unsere Mitarbeitenden zu schaffen. Zudem beziehen wir die Mitarbeitenden frühzeitig in die Projekt – und Pilotphasen ein und hören auf die entsprechenden Feedbacks. Dies bedarf einer stetigen und intensiven Kommunikation auf allen Fach- und Führungsstufen. Es nützt nichts, Projekte im Elfenbeinturm zu entwickeln. Man muss die Betroffenen von Anfang an mit einbeziehen und in die Vision einbinden.

Macht der Branchenverband SVIT genug bezüglich Digitalisierung?

Ich denke, das Thema ist auf der Agenda des SVIT. Aus meiner Sicht kann ein Verband wie der SVIT aber letztlich gar nicht vielmehr tun als die Mitglieder auf zukünftige Entwicklungen zu sensibilisieren. Es ist Sache der Branchenteilnehmer, für ihre jeweilige spezifische Situation die richtigen Rückschlüsse zu ziehen.

FinTech geniesst in der Wirtschaft eine sehr grosse Aufmerksamkeit. Was fällt dem CEO von PRIVERA zu PropTech ein?

Es ist aus meiner Sicht noch nicht klar, ob sich dereinst PropTech als momentaner Hype oder als nachhaltige Entwicklung herausstellen wird und wie viele Startups aus diesem Segment überleben. Sicher wird es analog zu FinTech in der Bankenbranche auch im Bereich der Immobilienbranche aufgrund neuer Technologien zu massgeblichen Veränderungen kommen. Entscheiden ist aber immer der Erfolg der jeweiligen Lösungen. Nicht alles was mach- oder programmierbar ist, nützt unseren Kunden oder uns.

Ist PropTech in der Immobilienbranche angekommen?

Bei den grossen Playern – sei es bei Dienstleistern oder Investoren – sicher. Bei den kleineren oder mittleren Branchenteilnehmern wird es wohl allmählich zum Thema. Viele werden sich m.E. der Tragweite der möglichen Veränderungen erst langsam bewusst.

Startups suchen Geld. Sehen Sie Schweizer Immobilienfirmen als Investoren in PropTech? Was macht PRIVERA?

Wir investieren nicht direkt in Startups. Aber in vielen unserer Projekte arbeiten wir mit Startups zusammen und unterstützen somit auf diesem Weg.

Wie fördern Sie PropTech innerhalb von Privera?

Wie gesagt arbeiten wir zunehmend mit Startups zusammen, aber noch nicht im Bereich PropTech.

Wie ist der CEO von Privera investiert in PropTech?

Der CEO ist nicht direkt in PropTech involviert.

Zu PropTech gibt es viele Stichworte wie Markplatz, Marketing, BIM, Virtual oder Augmented Reality, Artificial Intelligence – wofür können Sie sich persönlich am stärksten begeistern?

Ich bin überzeugt, dass all diese Aspekte grosse Chancen bieten. Für unsere Branche sehe ich persönlich Augmented Reality in der Vermarktung sowie Artificial Intelligence bei der Prozessautomatisierung als sehr viel versprechende Möglichkeiten.