Der widerstandsfähige Geist

Der widerstandsfähige Geist. Gedanken von Benjamin Bargetzi. bewy.ch bekommt Geld. nextflat.ch neuer Marktplatz. Sammelklage gegen Rightmove. Und vieles mehr unter den verschiedenen Rubriken und „Best of the Rest“.
Am Schluss dieses Artikels meine Empfehlungen für nächste Veranstaltungen.
Der widerstandsfähige Geist
Benjamin Bargetzi ist für mich ein ganz wichtiger Vordenker. In einem seiner kürzlichen Artikel fragte er, wie Menschen eigentlich bei Innovationen vorgingen, Ideen austauschten und KI in Unternehmen einführten? Seine Betrachtungen basierten auf seinem Vortrag am European Food Summit, wo es um Gastronomie, Hotellerie, Lebensmittel- und Ernährungswissenschaft ging. Hier sind vier Erkenntnisse, die er vom Summit mitgenommen hatte.
Innovation ist in erster Linie eine soziale Angelegenheit, bevor sie eine technische ist
Die meisten Organisationen glauben immer noch, dass Innovation mit Strategiepapieren, neuen Tools oder Anweisungen von oben beginne. In Wirklichkeit beginnt der Wandel jedoch meist viel früher: im zwischenmenschlichen Austausch, im Vertrauen und in den informellen Momenten, in denen sich die Menschen sicher genug fühlen, um ihre Gedanken laut auszusprechen. Bevor KI einsatzbereit wird, muss sie erst einmal zur Diskussion stehen.
Beispiel: Das Silicon Valley wurde nicht allein durch Talent und Kapital aussergewöhnlich. Es wurde mächtig, weil sich ambitionierte, neugierige Menschen immer wieder an den richtigen Orten trafen: in Cafés, Restaurants, an gemeinsamen Tischen, in zufälligen Gesprächen, die sich langsam in Überzeugung verwandelten.
Die Gastronomie ist eine Infrastruktur für zwischenmenschliche Beziehungen
Oft betrachten wir Essen, Gastfreundschaft und gemeinsame Räume als nebensächlich, als wären sie nur die Kulisse für „wichtigere“ Branchen. Ich halte das für ein gravierendes Missverständnis. In diesen Räumen entstehen oft Beziehungen, werden Ideen erprobt und beginnt interdisziplinäres Vertrauen. In diesem Sinne ist die Gastronomie nicht nur eine Branche. Sie ist Teil der sozialen Infrastruktur der Innovation.
Beispiel: Ein Restaurant ist selten nur ein Restaurant. Im richtigen Kontext wird es zu einem Ort, an dem Gründer auf Investoren treffen, Wissenschaftler auf Unternehmer und Menschen aus unterschiedlichen Welten plötzlich eine gemeinsame Sprache finden.
Das menschliche Nervensystem entscheidet darüber, ob Ideen vorankommen
Ein Unternehmen kann brillante Mitarbeiter, fundierte Daten und Zugang zu den besten KI-Tools der Welt haben. Doch wenn die Menschen darin angespannt, zersplittert oder psychisch erschöpft sind, verlangsamt sich die Innovation. Die Biologie spielt immer eine Rolle. Der Zustand des Nervensystems prägt Kreativität, Offenheit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Beispiel: Das wurde Bargetzi während seiner Arbeit in der Ukraine wieder bewusst. Nach langen Tagen in Krankenhäusern, schwierigen Besprechungen und emotional belastenden Erlebnissen war eines der wenigen Dinge, die die Atmosphäre zuverlässig veränderten, das gemeinsame Essen. Die Menschen wurden ruhiger. Das Lachen kehrte zurück. Der Körper entspannte sich. Die Verbundenheit kehrte zurück.
Resilienz beginnt mit kleinen menschlichen Ankerpunkten
Wir sprechen oft in abstrakten Begriffen über Resilienz, als ob sie mit grossen Konzepten oder weitreichenden Strategien beginne. In der gelebten Realität startet sie jedoch oft viel einfacher: mit Rhythmus, Körperlichkeit und menschlicher Nähe. Ein gemeinsames Essen. Ein Moment der Ruhe. Ein vertrautes Gesicht am Tisch. Das sind keine nebensächlichen Extras. Oft sind sie die Voraussetzung für Erholung, Vertrauen und Fortschritt.
Beispiel: Dies ist auch eines der Prinzipien, die das Verständnis von MindGuard prägen. Resilienz beginnt nicht allein mit Theorie, sondern mit strukturierten Alltagsroutinen, zwischenmenschlichen Beziehungen und kleinen Momenten, die den Menschen helfen, zu sich selbst zurückzufinden.
Fazit zu „Der widerstandsfähige Geist“
Wenn jemand eine KI-Transformation anstrebt, sollte sich nicht nur fragen, welche Tools das Unternehmen benötigt. Vielmehr sollte überlegt werden, wo Mitarbeiter tatsächlich gemeinsam nachdenken? Wo entsteht Vertrauen? Wo werden erschöpfte Menschen wieder offen? Denn manchmal ist einer der am meisten unterschätzten Innovationsmotoren einfach nur ein Tisch, eine Mahlzeit und ein anderer Mensch, der einem gegenübersitzt.
Events
Die nächste Ausgabe von The Big Handshake wird am 19. Mai 2026 im Lakeside in Zürich durchgeführt. Mitglieder von SwissPropTech profitieren von zwei kostenlosen Tickets.
Investments
bewy.ch hat von Venture Kick CHF 150’000 frisches Kapital erhalten, um die AI-first Bewirtschaftung weiter zu entwickeln.
PropTech Map Switzerland
In der Kategorie «Marketplaces» ist neu nextflat.ch zu finden. Es ist neuer Mietmarktplatz, der Mietende mit Wohnungen zusammenbringt. Mit dem SmartDossier überall bewerben.
realmatch.ch hat den Market Explorer verbessert. Die Marktdynamik wird jetzt nicht nur allgemein, sondern in einem Fokus-Segment von +/- 5 % rund um den Zielpreis analysiert. So wird gezeigt, wie viele aktive Suchabos wie vielen aktuellen Listings gegenüberstehen. Echtzeit-Nachfrage trifft auf Echtzeit-Angebot.
An der MIPIM wurde das Sustainable Real Estate Forum lanciert. Optiml hat diesen Anlass genutzt, um mit REDI ein neues System zur Steuerung von Investitionsentscheidungen vorzustellen. Real Estate Decision Intelligence REDI soll verlässliche Entscheidungsgrundlagen entlang des gesamten wirtschaftlichen Lebenszyklus einer Immobilie liefern. Optiml und Catella Investment wurden mit dem immobilienmanager Award 2026 für ihre Arbeit zur Anwendung von Decision Intelligence in der Portfoliostrategie ausgezeichnet.
Künstliche Intelligenz
In der BILANZ hat Gustav Baldinger, CEO PwC Schweiz, in einem Betrag geschrieben, dass KI (noch) kein Gamechanger sei. KI würde heute vor allem als eine Effizienzmaschine gesehen. Dies sei aber kurzsichtig: KI müsse Wachstum generieren, sonst sei sie nicht viel mehr als eine Betriebsoptimierung mit gesellschaftlichen Kollateralschäden. Baldinger verlangt mutige Investitionen in Bildung und Talentförderung sowie klare politische Weichenstellungen. Nur so könne die vorübergehende Jobbremse in einen nachhaltigen Wachstumsmotor verwandelt werden.
KI verstehen
Mein lieber Kollege Myke Näf, bekannt auch von Doodle, hat einen leicht verständlichen Leitfaden veröffentlich, in dem er seine Erfahrungen niedergeschrieben hat. In neun kurzen Kapiteln erklärt der Leitfaden den Weg vom Textvorhersagesystem zum Chatbot, dann zu Werkzeugen und danach zu Agenten. Ein praktischer Ansatz, um diese Systeme zu verstehen, sie zu entmystifizieren und besser zu nutzen. Hier geht’s zum Leitfaden.
Wie weiter mit Smart Glasses?
Gemäss computerbild.de habe sich in China rund um Smart Glasses ein wachsender, aber problematischer Markt entwickelt. Während solche Brillen bei uns noch selten sind, sollen viele Schülerinnen, Schüler und Studierende in China KI-gestützte Modelle gezielt zum Schummeln nutzen. Die Geräte könnten gemietet werden und würden Lösungen direkt ins Sichtfeld einblenden. Kameras erfassten die Prüfungsaufgaben, die über Cloud-Systeme analysiert und beantwortet würden. Besonders kritisch sei, dass Lehrkräfte den Einsatz kaum erkannten, da die Brillen wie normale Sehhilfen aussehen und oft über unauffällige Steuergeräte bedient würden. Trotz Verbots setzten viele Lernende die Technik ein. Forschende würden bereits an Methoden arbeiten, um diese Geräte besser zu identifizieren. Gleichzeitig wächst die weltweite Nachfrage nach Smart Glasses, und immer mehr Unternehmen steigen in diesen Markt ein. Nothing will «clevere» Brillen bringen, Rokid hat Smart Glasses im November 2025 angekündigt, Meta Ray-Ban Display kann nur in Amerika gekauft werden.
Wie leicht lassen wir uns täuschen. Welches der beiden Bilder ist von AI geschaffen worden?


Die Preiserhöhungen von Rightmove gehören zu den bekanntesten Kontroversen in der Welt der Immobilienportale, schreibt Harvey von Property Portal Watch. Der Unmut ginge zurück bis in Jahr 2015, als Harvey seiner ersten Tätigkeit als Texter in der Immobilienbranche nachging. 2026 verfasste nun der britische Immobilienmakler Shaun Adams einen offenen Brief, in dem er Rightmove anprangerte und dem Portal vorwarf, „ein virtuelles Monopol“ zu betreiben. „Sie wissen es, die Makler wissen es.“ Nachdem Rightmove im vergangenen November darüber informiert wurde, dass rechtliche Schritte gegen das Unternehmen eingeleitet würden, wurde es nun wegen angeblichen Missbrauchs einer Monopolstellung verklagt. Rightmove sieht sich einer Sammelklage im Wert von über einer Milliarde Pfund gegenüber. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung zu nutzen, um seinen Kunden, den Maklern, erhebliche Preiserhöhungen aufzuerlegen. Die Aktienkurse fielen bei Bekanntwerden der Nachricht um fast 10 %, haben sich seitdem aber wieder erholt. Gibt es noch Hoffnung für die Schweizer Immobilienbranche?
Rückständiges Amerika
Franco Faraudo, Editor von Propmodo, schreibt in einem kürzlich publizierten Artikel, dass in Amerika Gebäude – im Gegensatz zu Autos – keine eindeutige, dauerhafte Identifikationsnummer besitzen würden. Während die VIN Transparenz und Nachverfolgbarkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs ermöglicht, fehlt ein vergleichbares System im Immobilienbereich. Adressen sind unzureichend, da sie sich ändern können und mehrere Gebäude umfassen. Diese fehlende Standardisierung erschwert Datennutzung, Risikobewertung und Effizienz. Ein einheitlicher Identifikator für Gebäude könnte Informationen bündeln, Transparenz schaffen und die Zusammenarbeit zwischen Eigentümern, Investoren und Behörden verbessern. Dadurch könnte die Immobilienbranche moderner, datengetriebener und effizienter werden. Da loben wir uns doch, dass wir in der Schweiz das Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) mit dem Eidg. Gebäudeidentifikator (EGID) und dem Eidg. Wohnungsidentifikator (EWID) haben.
In Australien kommt es zu einer Bereinigung unter den Immobilienportalen. 2001 startete RealEstateView.com.au. 2017 wurde der Name auf View.com.au geändert und 2023 gab es mit grossem Tamtam einen Relaunch. Jetzt wird das Portal eingestellt, u.a. weil die Nummer 3 nicht mit REA Group und Domain mithalten konnte.
Ausgewählte Veranstaltungen
Fehlt ein Anlass mit Bezug zu PropTech? Einfach melden an heinz.m.schwyter@schwyterdigital.ch
Der kleine, aber feine Anlass, wo sich Investoren und Startups treffen, findet in Winterthur statt. Winti Ventures lädt am 15. April 2026 zur 4. Durchführung ein.
Im April lockt der Proptech Summit die Gäste vom 22. bis 23. April 2026 nach Hamburg.
Den Global Real Estate Run kann man vom 23. bis 24. April 2026 auch in Hamburg während des Proptech Summits absolvieren. Sonst einfach dort, wo es gerade passt.
Wer es weniger sportlich oder näher liebt, geht am 23. April 2026 an den 108. immoTable Ticino.
Malta im Mai muss sehr schön sein. Neben der Insel kann vom 7.-8. Mai 2026 der EU-Startups Summit entdeckt werden.
Die nächste Ausgabe von The Big Handshake wird am 19. Mai 2026 im Lakeside in Zürich durchgeführt.
Im IFZ Campus in Rotkreuz findet am 1. Juni 2026 die AI@RE Konferenz «Reprogramming Real Estate» statt.
Der 109. immoTable findet am 4. Juni 2026 in St. Gallen statt.
Die REAL Estate Arena beherbergt die Branche vom 10. bis 11. Juni 2026 im Messegelände Hannover.
Am 15.-17. Juni 2026 gastiert die EXPO REAL Asia Pacific in Singapur.
Die swiss startup association organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen, welche auch für PropTechs interessant sind. Da es so viele Anlässe sind, hier der Link zur Website von ssa.
Veranstaltungen 2. Hälfte 2026
Am 26. August 2026 organisiert Csaba von Zalan wieder seine bestens bekannte Paprika ImmoGolf Gentlemen Challenge.
Luzern ist am 24. September 2026 Austragungsort des 110. immoTable.
Im Trafo in Baden geht am 22. Oktober 2026 der Real Estate Award 2026 über die Bühne.
Der November ist wieder reich befrachtet. Le Salon RENT findet in Paris vom 4. bis 5. November 2026 statt.
Winterthur heisst zwischen dem 5. und 6. November 2026 die Gäste der Startup Nights willkommen.
An der fuckup night von Smino wird am 12. November 2026 über Misserfolg und die Lehren daraus berichtet.
In der Serie immoTable wird die 111. Ausgabe am 26. November 2026im Limmattal durchgeführt.
Veranstaltungen 2027
Den nächsten Digital Real Estate Summit gibt es erst 2027 wieder.
Die IMMO27 findet vom 13. bis 14. Januar 2027 statt.
Beim Besuch der REM SWISS 2027 vom 2. und 3. März 2027 können die Französischkenntnisse aufgefrischt werden.
Französisch spricht man auch an der MIPIM. Vom 15.-19. März 2027 trifft sich die Branche wieder am Mittelmeer.
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