Was für ein Tag. Am Morgen zeigt uns Robert Beer von Allthings, was im Rahmen der Digitalisierung alles möglich ist. Und am Nachmittag haben uns die beiden Praktiker von Privera wieder auf den Boden der Realität geholt. 

Customer Experience, Operational Efficiency, Business Modell Innovation und Data Insights – dies sind die Ingredienzen der Digitalisierung. Und zwar unabhängig von der Branche. 

Allthings eine Plattform mit vielen Services

Laut Robert ist Allthings eine Plattform mit vielen Apps, eigentlich ein App Store für Immobilien. Die verschiedenen Apps sind als APIs entwickelt, so dass sie leicht in anderen Applikationen verwendet werden können. Allthings zeigt Daten an, die von anderen Anbietern aufbereitet werden. So liefert der Energiepartner die Verbrauchsdaten und Allthins zeigt sie in der App an. Der Nutzer kann einfach seinen Stromverbrauch überwachen.

Beim Preismodell mussten wir mehrmals nachfragen, denn Robert zeigte sich nicht so offen wie bei der Produktpräsentation. Allthings soll eine tiefe fünfstellige Basisgebühr verlangen. Diese sei abhängig von der Komplexität der Integration. Dann verrechnet die Plattform eine monatliche Gebühr pro Wohnung. Diese soll zwischen zwei und fünfzehn Franken variieren, je nach Anzahl verwendeter Apps. Die Vertragsdauer beträgt normalerweise 36 Monate, allerdings seien auch 60 Monate möglich. Allthings, so betont Robert, sei nicht für ein einzelnes Mehrfamilienhaus geeignet. Ideal sei die Implementierung im Vermarktungspaket für eine grössere Überbauung, wie damals beim Start mit der Erlenmatte. Die Kosten von Allthings könnten über die Nebenkosten an den Mieter weiter verrechnet werden. Allerdings müsste dies im Mietvertrag erwähnt sein. Eine gute Botschaft für alle anderen Anbieter!

Der Mieter oder Nutzer unterschreibt, dass Allthings (und deren Auftraggeber) die Daten aggregiert verwenden darf, z.B. für Marketingzwecke. Wichtig: Die Daten fallen danke API beim Anbieter einer Dienstleistung an und nicht bei Allthings.

Als Konkurrenz erwähnt Robert streamnow. Dieses Produkt wurde von Halter entwickelt und kürzlich an Wincasa verkauft. Es wird spannend sein, welches Produkt bei Wincasa weiter eingesetzt wird. Robert hat andere Produkte wie coozzy.ch oder casavi vergessen, die den digitalen Bewirtschaftungsprozess umfassend anbieten.

Wie sieht es mit der Nutzung von Allthings aus? Rekordhohe 90 % Registrierungen erreichen sie bei der Community. Bei der Prozessoptimierung starten sie mit ca. 25 %. Mit Marketingmassnahmen versuchen sie, diesen Wert sukzessive zu steigern. Robert erwähnt einen wichtigen Punkt, der von Eigentümern oder Bewirtschaftern vorgebracht wird. Die Mieter sollen sich nicht über ein Tool wie Allthings verbinden und miteinander kommunizieren. Diese Haltung sei falsch, meint Robert. Weder Eigentümer noch Bewirtschafter können die Kommunikation unter den Mietern unterbinden. Klüger sei es, ein gutes Tool anzubieten und so an der Kommunikation teilzuhaben.

Besser mitmachen als ausschliessen – Kommunikation unter Mietern

Schliesslich zeigt Robert das umfangreiche Dashboard für Eigentümer, Bewirtschafter und Nutzer. Der Eigentümer sieht nur aggregierte Daten. Er findet in seinem Cockpit standardisierte Auswertungen.

Die letzte Vorlesung des CAS Digital Real Estate haben Marcel Frick und Pascal Staub von Privera bestritten. Sie zeigen auf, dass uns Veränderungen immer begleitet haben. Heute ist die Zeit zwischen den Anpassungen immer kürzer. Und dies macht uns immer mehr Angst. Die Individualisierung hat einen grossen Einfluss auf die Digitalisierung. Dies bedeutet aber für die Immobilienbranche die grösste Herausforderung, ist hier eigentlich immer alles auf Masse ausgerichtet.

Privera setzt auch Allthings ein. Allerdings unterscheiden sich die Nutzerzahlen beim Anwender von denjenigen des Verkäufers. Mit 25 % registrierten Nutzern erzielten sie aber sehr gute Werte. Die Erwartungen der Mieter an die App seien heute viel grösser als das was der Bewirtschafter bieten könne. Es sei aber ein Trugschluss, dass Mieter nur noch den Weg über das Mieterportal gehen. Der Mieter kommuniziert über alle verfügbaren Kanäle und der Mieter bestimmt die Wahl der Kanäle.

Zum Schluss warnen Marcel und Pascal vor übertriebenen Erwartungen an die Effizienzsteigerungen. Es geht am Schluss um ein besseres Kundenerlebnis. Vor allem dürfe der Mensch nicht vergessen werden. Er sei zwar an der Digitalisierung interessiert, wird aber im beruflichen wie auch privaten Umfeld überschwemmt. So besteht die Gefahr, dass der Mensch sich ausklinkt!