PropTech News hat Oliver Hofmann, CEO Wincasa, zu einem Interview getroffen. Im 2. Teil äussert er sich über PropTech.

(PropTech News) FinTech geniesst in der Wirtschaft eine sehr grosse Aufmerksamkeit. Was fällt dem CEO von Wincasa zu PropTech ein?

(Oliver Hofmann) Es gibt in allen Bereichen Technologien, die unsere Branche grundlegend verändern oder auch erleichtern. Seien es nun Technologien, die bei der Bewirtschaftung von Immobilien unterstützen, Technologien und Services, die den Alltag der Mieter vereinfachen oder Technologien, die das Investieren und Verwalten von Immobilien als Vermögenswerte vereinfachen. Zukünftig wird die weitere Entwicklung von Blockchain sicherlich verfolgenswert auch für unsere Branche bleiben. In der Schweiz haben sich sowohl im FinTech als auch im PropTech viele innovative Start-ups hervorgetan. Dies werden von etablierten Markt-Playern beobachtet oder auch gekauft. Die PropTech-Branche organisiert sich zusehends und vernetzt sich über Plattformen wie „Swiss PropTech“ oder „digitalswitzerland“.

Ist PropTech in der Immobilienbranche angekommen?

Definitiv. Die Immobilienbranche hat in den letzten Jahren aufgeholt und in unterschiedliche Technologien investiert. Zahlreiche Errungenschaften der Digitalisierung treiben den technologischen Wandel voran – vom digitalen Bauen, Building Information Modeling (BIM) über Smart Homes, bis zu Virtual Reality, Internet der Dinge (IoT), künstliche Intelligenz, Big Data und Robotik.

Startups suchen Geld. Sehen Sie Schweizer Immobilienfirmen als Investoren in PropTech? Was macht Wincasa?

Start-ups suchen Kapital und etablierte Firmen mit Kapital suchen nach guten Geschäftsmodellen und Technologien. Interessanterweise sind es momentan noch eher die Banken und Versicherungen, welche Start-ups kaufen, die eigentlich in der Immobilienbranche aktiv sind. Kürzlichstes Beispiel hierzu ist der Kauf des Start-ups „MOVU“ durch die Basler Versicherungen. MOVU – ein Geschäftspartner von Wincasa – ist ein digitaler Umzugsanbieter und hilft somit der Mieter- bzw. Eigentümerschaft von Immobilien beim Umzug. Dennoch investieren auch innovative Immobilienfirmen bereits in Start-ups wie kürzlich z.B. im Bereich von Virtual Reality. Immobilien-Investmentfirmen müssen sich überlegen, ob der Zukauf von Start-ups strategisch oder wirtschaftlich für sie sinnvoll ist. Damit könnten die Professionalisierung (z.B. im Leerstandsmanagement) vorangetrieben oder die Wertschöpfungskette über Zusatz-Dienstleistungen verlängert werden. Im Rahmen des diversifizierten Geschäftsmodells unserer Swiss Prime Site Gruppe können hierdurch die Synergien zwischen Investments, Dienstleistungen und Start-ups optimal genutzt werden.

Wie fördern Sie PropTech innerhalb von Wincasa?

Wincasa verfügt seit vielen Jahren über einen hohen Eigenfertigungsgrad in der IT. Ebenfalls entsprechen wesentliche Teile der IT-Landschaft in Kombination mit modernsten Technologien dem „State-of-the-art“. Hierzu sei erwähnt, dass wir seit einigen Jahren nebst der einmalig ausgebauten REM-basierten Bewirtschaftungssoftware „WincasaQ“ auch Web- und Cloud-fähig sind und unsere Stakeholder unabhängig von ihrem Standort via Smartphone- oder Tablet-Anwendungen eine enorme Quantität von Daten abfragen können. Im Rahmen unserer Digitalstrategie bauen wir zurzeit unser Eco-System mit technischen Spezialisten und Start-ups konsequent aus. Interne Personal- und Finanzressourcen wurden hierzu bereits eingestellt und gesprochen. Wir wollen bis im 2019 Digital Master sein.

Wie ist der CEO von Wincasa investiert in PropTech?

Ich investiere mich persönlich mit meinem täglichen und emotionalen Engagement in die Transformation der Branche und unsere Firma. Finanziell investiere ich selbst in Sachwerte wie Immobilien. Um Interessenkonflikten zu entgehen, sehe ich persönlich von Investitionen in PropTechs ab. Dennoch suche ich den Austausch mit Start-ups, besuche sie oder lade gewisse davon zu einem persönlichen Austausch oder sogar zu Kaderveranstaltungen ein. Eine fundierte und gute Übersicht zum PropTech-Markt und seinen Playern ist für eine Führungsperson an der Spitze einer Firma meiner Meinung nach Pflicht.

Zu PropTech gibt es viele Stichworte wie Markplatz, Marketing, BIM, Virtual oder Augmented Reality, Artificial Intelligence – wofür können Sie sich persönlich am stärksten begeistern?

Viele dieser Technologien werden besser vermarktet als es ihr Reifegrad ist. Für unsere Firma sind daher einerseits unmittelbar implementierbare und reife Technologien wie Virtual Reality, Marktplätze oder „Smart“ Data (wir besitzen keine „Big Data“ Bestände) Auswertungen relevant. Wir haben natürlich ein Auge auf die Entwicklungen im Bereich BIM oder Artificial Intelligence und führen hierzu auch erste Analysen durch und entwickeln Prototypen.