Internationalisierung von Startups

Internationalisierung von Startups. In meinen früheren Beiträgen habe ich immer wieder die mangelnde Internationalisierung der Schweizer PropTechs bemängelt. Dabei ist der Schweizer Markt nicht unendlich gross. Expansion ist also angesagt. Einer, der diesen Weg konsequent geht, ist Sandor Balogh, Gründer und Managing Partner von Smino. Seit der Gründung 2016 ist das PropTech gewachsen und nun im DACH-Raum mit eigenen Büros präsent. Wie ist Sandor die Expansion angegangen, welche Tipps gibt er anderen Gründern mit auf den Weg.
War für dich und deinen Co-Gründer von Anfang klar, dass Smino international wachsen muss?
Es war zumindest von Beginn an die Absicht. Der Schweizer Markt ist auf Grund der Kaufkraft und dem «Inselstatus» durchaus ein attraktiver Markt. Allerdings ist der Markt auch beschränkt und zusätzlich erschwerend in drei Sprachregionen unterteilt. Gelingt es hier nicht innerhalb kurzer Zeit eine dominante Rolle einzunehmen, wird es schwierig sich zu behaupten. Ausländische Player und lokale Mitbewerber können die Wettbewerbssituation verschärfen und auf Grund der Marktgrösse das Wachstum aller ausbremsen.
Aus meiner Perspektive ist es jedoch unerlässlich, zuerst ein solides Fundament im Heimmarkt aufzubauen, bevor eine Expansion angestrebt wird. Wieso sollte eine Expansion gelingen, wenn nicht einmal der Heimmarkt das Produkt akzeptiert? Da wir von Anfang an die Expansionsabsicht hatten, wussten wir, dass unser Produkt ohne grössere Anpassungen auch in anderen Ländern funktioniert. Darauf haben wir auch grossen Wert gelegt. Die Prozesse, die in den jeweiligen Ländern angewendet werden, sind mehrheitlich dieselben. Unterschiede gibt es in vereinzelten Normen und Bezeichnungen. In dieser Hinsicht haben wir geringere Hürden für eine Expansion.
Ist Smino aus eigener Kraft im Ausland gewachsen oder habt ihr dazu gekauft?
Wir haben in der Tat ein österreichisches Startup akquiriert, dies aber nicht aus Expansionsgründen, sondern um die Produktpalette zu ergänzen. Wir sind aktuell in sechs Ländern aktiv, der Fokus liegt aber ganz klar auf der DACH-Region. Deutschland stellt in Europa den grössten Markt dar für uns, trotz gegenwärtiger Krisenstimmung.
Ohne genügend Liquidität lässt sich eine Expansion nur schwer durchführen. Das nötige Geld hierfür haben wir uns bei einer Finanzierungsrunde von Investoren besorgt.

Der Austausch mit anderen Gründern lohnt sich, um keine oder weniger Fehler bei der Expansion ins Ausland zu machen.
Sandor Balogh, Gründer und Managing Partner von Smino
Wie seid ihr bei der Expansion vorgegangen?
Viel zu naiv. Zum Glück haben wir dazu gelernt und die Kurve noch rechtzeitig gekratzt.
Was würdet ihr heute anders machen?
Wir würden sicherlich nicht nochmals ein komplett neues Team in einem neuen Markt aus dem Boden stampfen und darauf setzen, dass dieses in kürzester Zeit erfolgreich ist.
Auch wenn man sich im Heimmarkt bereits einen Namen gemacht hat, in einem neuen Markt fängt man wieder komplett von vorne an. Dieser Umstand wird sehr häufig unterschätzt und man denkt sich, dass alles schneller geht. Dem ist oft leider nicht so.
Hat sich für Smino die Internationalisierung bis heute gelohnt? Wenn ja, in welcher Hinsicht?
Unbedingt. Eine erfolgreiche Expansion ermöglicht es uns weiter zu wachsen und dadurch auch mehr Ressourcen in die Weiterentwicklung unseres Produkts zu stecken. Dies wiederum kommt unseren treuen Schweizer Kunden zugute und festigt unseren Status im Heimmarkt. Eine Win-Win-Situation.
Ich denke, dass in unserem Bereich mittelfristig alle Anbieter verschwinden werden, die sich ausschliesslich auf den Schweizer Markt konzentrieren.
Ist der DACH-Raum nun das Ende der Fahnenstange oder gibt es bereits Pläne für neue Märkte?
Wir gehen schrittweise vor. Wie bereits erwähnt, sind wir in sechs Ländern aktiv mit Fokus DACH. Wenn wir hier Erfolg haben, werden wir den Fokus auf weitere Länder ausweiten und die versuchen zu «sminofizieren».
Was sind deine Empfehlungen für andere Gründer bezüglich Expansion?
Ich stelle fest, dass die Mehrheit dieselben Fehler macht. Zumindest ist dies mein Eindruck aus den Gesprächen mit anderen Gründern, die ich hierzu geführt habe.
Den richtigen Zeitpunkt für eine Expansion zu finden ist entscheidend. Ist man zu früh, verliert man den Fokus und kann sich unter Umständen massiv verkalkulieren. Ist man zu spät, läuft man Gefahr den Anschluss zu verlieren und im Mittelmass zu versinken.
Daher kann ich allen nur empfehlen sich im Voraus mit erfahrenen Gründern aus ihrer Branche auszutauschen, die wenn möglich bereits erfolgreich ins Zielland expandiert haben. Wichtig ist dabei, dass die Gründer wirkliche Experten im eigenen Tätigkeitsbereich sind, denn jeder Bereich hat seine Eigenheiten.
Die Schweizer PropTech-Szene hat auf jeden Fall grösseres Potential als viele denken oder sich selber zutrauen. Wir brauchen uns überhaupt nicht zu verstecken und ich drücke jedem Startup, welches den Sprung in die Internationalisierung wagt, die Daumen und freue mich über jeden Erfolg.
Internationalisierung von Startups.
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