2015 fand in der Schweiz die erste Veranstaltung statt, die sich dem Thema Digitalisierung und PropTech widmete. Zusammen mit meinem Freund Peter Staub von pom+ haben wir im Presseclub von Tamedia über 50 Interessierte begrüssen können. Aus diesem Nachmittag-Anlass ist der Digital Real Estate Summit entstanden, der am 3. März 2020 zum 6. Mal durchgeführt wird. Damals in 2015 referierte Stefan Zanetti über sein junges Unternehmen. Aus dem damals zarten Pflänzchen ist ein führendes PropTech-Unternehmen Allthings entstanden. Allerdings musste das Startup kürzlich einen markanten Abbau beim Personal ankündigen. Ich habe mich mit Stefan unterhalten.

Als ETH Spin-off ist die nachmalige Allthings in der Schweiz mit der Erlenmatt-App gestartet. In welchen Ländern ist Allthings heute aktiv und wo habt ihr überall Büros?

SZ: Allthings ist in der Schweiz, Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Frankreich aktiv. Unsere Büros sind in Basel, Berlin und Freiburg, und aktuell noch in Amsterdam. 

Du wirst zitiert, dass die Digitalisierung mehr Zeit brauche und deshalb hätte sich das Wachstum verlangsamt. Gilt dies für alle von euch bearbeiteten Märkte?

SZ: Es gilt vor allem für das Segment der mittleren und grösseren Kunden, bei denen die Transformation im Unternehmen wie auch Integrations- und Prozessfragestellungen länger dauern, je weiter man ins Portfolio vordringt.

Die Lösungen von Allthings gelten in der Immobilienbranche als Rolls-Royce, mit dem entsprechenden Preis. Deshalb sind die Applikationen beispielsweise in der Schweiz bei grossen Neubauprojekten gesetzt. Welche Produkte bietet Allthings aber den in der Schweiz vorwiegend bestehenden KMU?

SZ: 90% unserer Kunden sind mittelgrosse Unternehmen, und mit Allthings Essential haben wir schon länger ein Produkt am Markt, was genau auf diese Kunden passt, inkl. dem passenden Pricing. Wir sind aber auch im Enterprise Business tätig, das einerseits durch komplexe Setups (z.B. mehrere Bewirtschafter, mehrere Eigentümer, Anbindung von unterschiedlichsten externen Systemen) geprägt ist, als auch durch service-intensive Customer Success und Support-Prozesse. 

Allthings erhielt in vier Finanzierungsrunden knapp 19 Mio CHF Wagniskapital. Umsatzzahlen werde ich dir kaum entlocken können. Kannst du etwas zur Gewinnschwelle sagen? Wann soll diese bei Allthings erreicht werden?

SZ: Wir geben grundsätzlich keine Auskunft über finanzielle Kennzahlen. 

Allthings ist rasant gewachsen, von 10 auf knapp 100 Mitarbeitende. Nun soll ein Drittel der Belegschaft das Unternehmen verlassen. Was löst dieser Entscheid bei dir persönlich aus?

SZ: Der Entscheid ist mir sehr schwer gefallen. Gerade bei Startups entstehen enge Mitarbeiterbindungen: Jeder versteht sich als Teil einer Mannschaft, die das Unternehmen nach vorne bringen will. Auch deshalb haben wir mögliche Alternativen intensiv geprüft.

Haben wir also mit dunklen Wolken am Proptechhimmel zu rechnen?

SZ: Ich kann nicht für die ganze Branche sprechen, aber dass die Proptechs eine relevante Rolle in der Immobilienbranche spielen und in Zukunft noch mehr spielen werden ist offensichtlich. Um im Bild zu bleiben: 2019 hat für uns nicht das Wetter gebracht, das wir erwartet haben. Darum haben wir jetzt – und damit auch früh genug – entschlossen gehandelt und das Unternehmen auf eine Basis gestellt, die einen langfristigen Betrieb sicherstellt und auch den weiteren Ausbau gut ermöglicht. Und bekanntlich kommt ja nach jeder wolkigen Phase die Sonne auch wieder zum Vorschein.

Mit diesem Interview verabschiedet sich proptechnews.ch, wünscht Allen frohe Festtage und viel Erfolg im neuen Jahr. proptechnews.ch wird auch in 2020 über die Entwicklungen im Schweizer PropTech-Markt berichten.